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2 (1822) Zweiter Band welcher einen Nachtrag zum ersten Bande, die Lehre über die Kugelbahn und Wahrscheinlichkeit des Treffens, und ferner eine Abhandlung über die Artillerie der englischen Marine und einige Nachrichten über die preussische Artillerie enthält / von Carl Friedrich Borkenstein
Entstehung
Seite
XVIII
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Die Länge der Seele der Haubitze muß kurz genug seyn, damit man selbige g«,schwind, bequem und ohne Spiegel laden könne."

Auch die sehr langen Haubitzen kann man, wie die Kanonen mit Granaten ohne Spie-gel laden, wenn man die Granaten nicht excentrisch, sondern concentrisch gießt; die Gra,nate kann in der Seele nicht rollen, indem dieses der Zünder verhindert *). Der unbe-deutende Nachtheil, welcher durch die Verrückung des Schwerpunkts der Granate ausder Axe der Haubitze entstehet, wenn das Brandloch nicht genau in die Axe der Seelezu liegen kommt, kaun gegen die Vorzüge, welche lange Haubitzen haben, nicht in Be-trachtung kommen. Man muß bei Beurtheilung verschiedener Dinge, die Vortheile undMängel derselben gehörig gegeneinander abwägen, und alsdann demjenigen den Vorzuggeben, welches bei den größten Vortheilen die geringsten Mängel hat, indem es nichtsVollkommenes auf diesem Erdenrnnde giebt.

Herr von Gribeauval hatte diese Länge der Seele der Zjölligen und 6 zöll-gen Haubitzen, wahrscheinlich aus der Länge eines Mannsaunes bestimmt. Wennman diese Länge überschreitet, so reinigt man die Kammer nicht gehörig, man ladetbeschwerlich und man muß Spiegel und Seher haben."

Man kann ja auch die Kanone nicht ohne Setzer laden.

Bei der Velagerungshaubltze ist der Kanonier welcher ladet, in der Schießschartezu sehr exponirt, well selbige weiter als die Kanonschießscharte ist, weswegen allesdasjenige wohl berücksichtigt zu werden verdient, was die Zeit abkürzt, welche zu«Laben nöthig ist. Wenn die Seele zu lang ist, so reinigt man die entfernte Kam-mer nicht gut, woraus sehr widrige Zufälle entstehen können."

Weil die Haubitzen immer unter höhern Elevationen als die Kanonen schießen, sobrauchen die Schießscharten nicht so tief als bei den Kanonen eingeschnitten zu seyn, unddie Sohle derselben braucht nicht horizontal zu liegen, sonder» kann sich nach dem Feldezu erheben. Man kennt ja die sogenannten Rikoschettschießschartrn. Was die Kammernanbetrifft, so können die Kanonen mit solchen Kammern, wie selbige der General Ebl«eingerichtet hat, konische Kammern, deren größter Durchmesser dem Kaliber der Kanonegleich ist, sehr gut ausgewischt werden, (^iclv-INvk»uir-v 732 zte Ausgabe) unddie Kanonen ohne Kammern können das ebenfals, folglich auch die langen Haubitzen, mitund ohne Kammern. Das Auswischen der langen Haubitze gehet aber mit dem Wischereben so geschwind, als das der kurzen.

Bei den Feldhaubitzen muß man außer den Gründen, warum die Länge derSeele von z Kaliber beizubehalten Ist, noch die Schwierigkeiten mit den Spiegelnbedenken, welche den Munitionswagen anfüllen und beschweren."

») Nach Montalembert soll dieser sogar da« Pulverg-a« verhindern; allein diese« ist wohl nochHypothese.