Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
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Die Regelmässigkeit der Wiederholungen ergibt sich u. a. auchbei den Ermordungen mit Vorbedacht gerade so wie bei den in Folgeaugenblicklicher Aufwallung, oder inFolge von Streitigkeiten aus schein-
meisten Selbstmorde auf den Juni, die wenigsten auf den December fallen,während die Hitze und resp. Kälte allerdings erst später eintritt. Er kommtdaher zu dem Schlüsse: „Die relative Gleichheit der Monate Mai bis Juni unddie meist schon beträchtlichere Wiederabnahme im August beweist, dass esnicht der absolute Hitzgrad, sondern die Ungewohnheit der Hitze und derUebergang von der kalten zur warmen Jahreszeit ist, wodurch der Selbstmordso stark begünstigt wird.“ Unser Erklärungsversuch hat wol den Ansprucheinfacher und zutreffender zu sein. Wir lassen einige der Zusamenstellungenaus andern Ländern als Frankreich folgen, obwol ihre Volkszahl viel kleinerund das Ergebniss somit Schwankungen ungleich mehr ausgesetzt ist, und fügendie Resultate von Berlin bei, als Zeichen der anomalen Gestaltung in einersolchen Stadt mit ihren zahlreichen anderweiten Einwirkungen. Dabei mussnochmals daran erinnert werden , dass Wagner bei seiner sonst so sehr ver-dienstlichen Arbeit es doch versäumt hat, die Ergebnisse der einzelnen Monateauf eine gleiche Anzahl von Tagen zurückzuführen.
Belgien
(18*%.)
Bayern
Oestreich
Dänemark
Schweden
Berlin
(18*%,)
(18“%*)
(18*%„)
(18"%.)
(18*%.)
Januar
57
68
62
67
70
97
Februar
73
77
60
68
78
48
März
78
90
76
63
73
117
April
94
82
88
88
91
68
Mai
103
97
116
113
137
112
Juni
104
102
119
139
96
83
Juli
103
95
121
116
96
97
August
94
92
98
82
76
112
September
85
78
78
72
83
59
October
78
84
65
68
73
68
November
66
64
68
71
65
66
December
65
70
49
53
62
73
Es ist dabei noch zu bemerken, dass die Beobachtungen in den eben auf-geführten Ländern auf etwa 12,000 Fälle beschränkt waren, während dieaus Frankreich sich (1827—58) über nicht weniger als 92,662 solcher Fälleausdehnten. , . .
Wir fügen noch eine Notiz bei: Für Frankreich ist constatirt, dass derMann im jugendlichen Alter am meisten das Erhängen anwendet; später be-dient er sich am meisten der Feuerwaffen ; im Alter entscheidet er sich neuer-dings für das Erhängen (s. Guerry, Essai sur la slatistique morale de la France,Paris 1833Bei dieser Gelegenheit mag auch noch erwähnt werden, dass dieNeigung zum Selbstmorde nicht abnimmt (wie man sonst meinte), sondern wächstmit den Jahren; blos das allerhöchste Alter bietet eine geringe Verminderungdar. Auf je 100,000 Menschen einer bestimmten Altersclasse (also z. B. auf100,000 männliche oder ebenso viel weibliche Einwohner zwischen 5 und mehrals 80 Jahren etc.) kam in den Jahren 1849—58 in Frankreich folgende Zahlvon Selbstmorden:
Lebensalter
Selbstmorde von Männern
Frauen
von
5
—30 Jahren
.12,1
5,4
»
30
-40 -
.35,7
10,7
40-
-50 -
.50,9
14,5
»
50
-60 -
.67,0
17,5
»
60-
-70 -
.73,4
22,0
u
70-
-80 -
.78,3
23,5
«
80
und mehr .
.69,3
23,5
Somit permanentes Steigen bis zu 80 Jahren; — erst dann tritt eine Ver-minderung ein, und selbst dies nur bei den Männern; denn bei den Frauen mussman bis zur zweiten Decimalstelle greifen, um überhaupt eine Verringerungfeststellen zu können.