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Astronomie.
Ehren des Königs Ferdinand und zum Andenken der großen Verdienste, dieer um die Hebung des Ackerbaues in Sicilien gehabt hatte. Der astronomischeGebrauch kürzte indessen bald die Benennung ab, und der Planet wird jetzt ein-fach Ceres genannt.
Die Entdeckung eines Planeten zwischen Mars und Jupiter hatte eineigenthümliches Interesse für die Astronomen, in so ferne dadurch die schon vonKepler, später von Titius und Bode ausgesprochene Vermuthung, daßdaselbst ein Planet sich vorfinden sollte, bestätigt wurde. Es scheint in der That,daß bei der Entstehung des Planeten-Spstems bestimmte, aber bisher unerforschteBedingungen vorhanden gewesen sein müssen, welche diese regelmäßige Austhei-lung zu Stande gebracht haben.
195 . Pallas von Olbers entdeckt. Die Entdeckung der Cereshatte bald eine zweite ähnliche Entdeckung zur Folge. Während Olbers am28. März 1802, nachdem er die Ceres beobachtet hatte, eben beschäftigt war,die kleinen Sterne in dem nördlichen Flügel der Jungfrau durchzumustern, be-merkte er einen Stern siebenter Größe, der mit den Sternen 20 und 191 derJungfrau ein gleichseitiges Dreieck bildete, und den er vermöge seiner außeror-dentlichen Sternkenntnitz sogleich für einen wandernden hielt, da er nie einenStern zuvor da gesehen zu haben sich erinnerte. Die Untersuchung des folgen-den Abends bestätigte seine erste Vermuthung, und er säumte nicht , den Astro-nomen die Entdeckung eines neuen Gestirns anzukündigen, das er und mehrereAstronomen mit ihm für einen Kometen Anfangs zu halten geneigt waren. Baldaber ließen fortgesetzte Beobachtungen und die von Ganß unternommene Bahn-bestimmung über die Natur des Sterns und seine Stellung im Weltgebäudekeinen Zweifel übrig, und Olbers legte ihm den Namen Pallas bei.
Die genauere Betrachtung der Pallas- und Ceres-Bahnen, die einanderdurchkreuzen, brachte Olbers auf den Gedanken, es möchten die beiden PlanetenTrümmer eines größer» Weltkörpers sein, der durch irgend eine gewaltige Kata-strophe sich zertheilt habe (§. 69). Aus solche Voraussetzung gründete er nundie scharfsinnige Vermuthung, daß, falls noch mehrere Trümmer vorhanden wären,ihre Bahnen sich alle in einem Punkte, nämlich da, wo die Trennung stattge-funden, schneiden müßten, eine Vermuthung, die später wichtigen Erfolg gehabt hat.
196 . Juno von Harding entdeckt. Zweien der fleißigsten Beobach-ter des Himmels war das Glück begegnet, zur Vervollständigung unserer Kennt-niß des Planeten-Spstems wesentlich beizutragen: einen dritten auch als Beob-achter sehr verdienten Astronomen sollte der Zufall in gleicher Weise begünstigen.Harding, dem wir die besten vorhandenen Sternkarten zu verdanken haben,war eben mit der Revision der in der Nähe der Ceres- und Pallasbahnen be-findlichen Sterne beschäftigt, als er am 1. Sept. 1804 im Sternbild der Fischeeinen neuen in seinen Karten nicht eingezeichneten Stern wahrnahm. Seine pla-netarische Natur setzte die fernere Beobachtung bald außer Zweifel und in Zeitvon drei Wochen war durch die Betriebsamkeit von vier deutschen Astronomen— Harding, Zach, Olbers und Gauß — die Bahn des neuen Planeten, demder Entdecker den Namen Juno gab, bestimmt.
197 . Vesta von Olbers entdeckt. Die Entdeckung der Juno be-stätigte in merkwürdiger Weise die oben erwähnten theoretischen Ansichten vonOlbers, wornach sämmtliche Bahnen der kleinen Planeten in denselben Punktensich schneiden, also die Sternbilder der Jungfrau und des Wallfisches passtrenmüßten. Olbers fand sich hiedurch veranlaßt, sogleich eine regelmäßige Spähezu halten, und hatte bereits mit Beharrlichkeit drei Jahre diese Arbeit fortge-setzt, bis ein glücklicher Erfolg zuletzt seine Bemühungen krönte. Am 29. März