Buch 
2 (1802) Leonard Meister's Helvetische Geschichte während der zwei leztern Jahrtausende oder von Cäsars bis zu Bonaparte's Epoche [2]
Seite
58
JPEG-Download
 

den Bernern war so wol wegen der Nachbarschaftdes Herzogs von Savoien als wegen des Mißver-gnügens mehrerer Landlcute nicht wol zu Muthe.Hatten nicht die Cantonc das Beispiel der Griechenvor Auge? Durch einheimische Kriege erschöpft,sinken sie unter das Joch eines auswärtigen Erobe-rers. Durch ibre Aussöhnung sezten sich die Can-tone rund umher in desto grösseres Ansehn. Im-mer indeß herrschten noch hin und wieder Privat-erbitterung. Nicht ohne Muhe verhinderte manneuen öfentlichrn AuSbruch. So z. B> hielt denApril 1656. Pros. Johann Lavater in Zürich eineakademische Rede: Os Lkrillo Miente, kokikur8«vientibus L äiloipuüs Leeurs clormientibus. *)

In der Rede erhizte er sich auf die unbescheidensteWeise nicht nur über die Verfolgung der Flüchtlin-ge von Arth, sondern auch über die (wie er be-hauptet ) für die Reformirten entehrenden Friedens-bedingungcn. Kaum war er nach Hause gekommen,so ließ der Bürgermeister Ratzn die Rede abfordern.Dienstags den 8. April zeigte Pfarrer Wyß im Na-men des Kirchenrathes dem Redner das Mißfallen«n, das sein Vertrag verdiente. Sonnabends wurdeLavater auf dem Rathhause arrestirt und über folgen-de Punkten befragt: i. Wer an feiner Rede Antheil._ habe,

') S. Zürcher Stadtbiblioth. Handschriften L. 207.

«0. 7 — Lgz.