Buch 
Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
Entstehung
Seite
118
JPEG-Download
 

— Hg —

/

bedingen keinesweges die Erbauung neuer Batterieen im letztem selbst, weil sie schondurch jene mit der Courtine zugleich geöffnet werden (Tab. I. Eig. 3.), welches , notl*-wendig die Uebergabe der Festung herbeiführen mufs.

Man ist nun im Stande, den Werth beider Befestigungsarten zu würdigen. In dereinen mufs man viermal Breschbatterieen bauen, und ein Ravelin, zwei Zangenwerke,zwei Couvrefa^en und zwei Bollwerke erstürmen, ehe man gegen den Hauptwall etwasunternehmen kann. Bei der andern hingegen öffnen die, auf dem bedeckten ege ein-mal erhaueten Batterieen das Ravelin, die Bollwerksfa$en und den Abschnitt des Haupt-1 walles zu gleicher Zeit. Der Belagerte mufs sich daher ergeben, oder wird mit Sturmerobert.

Hier findet nichts willkührliches statt; es wird keine bestimmte Anzahl Nächte fürdie Arbeiten angenommen, sondern die Berechnung gründet sich allein auf die Mengeder hinweg zu räumenden Hindernisse. Die Gröfse dieser aber hängt von derGeschützmerge ab, welche der Belagerer gegen sich hat, und von der Anzahl Werke,die er durch neue Breschbatterieen erobern mufs. Das Widerstandsvermögen derFestungen stehet also im zusammengesetzten Verhältnifs dieser beiden Dinge.

Ich will jedoch d'amit keinesweges Belidor’s Befestigungsart zur wirklichen Aus-führung empfehlen. Eine gröfsere Menge mit Mauern bekleideter Werke erhöhetimbezweifelt die Stärke einer. Festung; allein in demselben Maafse wachsen auchdie Baukosten und die Stärke der Besatzung. Das auf den Wällen stehende Geschützwird immer früher «der später durch das Geschütz des Belagerers vernichtet. Ich be-haupte daher bios, dafs Belidcrs Befestigungsart gut, und weit stärker ist als die desHerrn von. C'orm ontaigne. Die Wälle mit Bollwerken, wie man sie zu Metz findet,sind von einer anerkannten, durch tausend Beispiele der vergangenen, Kriege bestä-tigten Schwäche. Man kann sie nur durch Hinzufügung neuer Werke, und durch An-ordnung mehrerer Einfassungen,verbessern. Belidor fühlte dies, wie früher schonRozard; gab aber eine schwächere Befestigung an, weil er nicht so weit ging als letz-terer. Es in wohl nicht möglich, eine stärkere Befestigung mit Bollwerken anzugeben,als Rozard, der seinen verschiedenen Umwallungen noch gute kasemattirte Flankenhinzufügt, welche sowohl den Hauptgraben, als die Gräben der Abschnitte seiner Boll-werke bestreichen. Dies sind wirkliche Abschnitte im strengsten Sinne, sie erforderneinen eben so schwierigen, regelmäfsigen Angriff, wie der Hauptwall selbst. Belidorhat sich dieses Hülfsmittels beraubt: er scheute vielleicht den Aufwand. Allein, sobaldman Bollwerke anwenden will, darf man letztem nicht berücksichtigen. Nur dadurchkann man diese Befestigungsart weniger schlecht machen, RoZards Umrifs ist einestrefflichen Widerstandes fähig; seine verstärkte Courtine ist 51 Fufs über dem Horizonthoch, und 18 Fufs unter demselben, im Ganzen 69 Fufs: sie beherrscht und unterstützt

*

1

I