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nen, dafs s!e diese ihnen schon seit 50 Jahren bekannte Befestignngsart nicht angenom-men haben.
67. Eine nähere Vergleichung beider Befeatigungsarten würde Ihnen, mein Herr!sehr bald den wesentlichen Unterschied beider gezeigt haben. Im Allgemeinen sind sichalle Befestigungsarten einander ähnlich. Ueberall finden sich ausspringende Winkel, dieein Vieleck bilden, und die einander gegenseitig auf die eine oder die andere Art bestrei-chen: nnd eben hieunnen liegt die Verschiedenheit.
68- Herborts Befestigungsart wird blofs durch Hinznfügung der sechs Ravelineein Zwölfeck. Sie hat nämlich nnr sechs Bollwerke, deren Faqen durch die in die einge-henden Winkel der Streichlinien gelegten Raveline bestrichen werden. Die Gräben wer-den nicht durch. Kasematten, sondern von den Bollwerken durch eine, nach Pagans Artdreifache, nnd vor den Ravelinen durch eine gewöhnliche oben offene Flanke bestrichen.Zwischen dem Bollwerke und den nebenliegenden Ravelinen ist eine 5 bis 6 Toisen weiteOcffmmg, durch welche die auf der Contregarde angelegten Batterien ihr Feuer richten,und dadurch die Verbindung der eigentlichen Festung mit den Aulsenwerken hemmenkönnen. An jedem Eollwerke sind zwei Stücken Courtine, die 60 Toisen einwärts rei-chen, und einen eben so grofsen Raum zwischen sich nnd der Courtine des NebenböII-werkes lassen. Die Kehlen der Bollwerke endlich sind zur Vertheidigung einwärts gegendie Stadt eingerichtet. Die Faqen der Werke bestreichen einander unter einem Winkelvon 92°, und die Contregarden sind nicht mit den hinter ihnen liegenden Werken gleich-laufend, wodurch die Gräben eine verschiedene Breite bekommen. Man sieht aus dieserBeschreibung , dafs die Befestignngsart Herborts gänzlich von der von Ludwigsstadt(S. Thl. I.) verschieden ist, und nichts mit ihr gemein hat als die zwölf ausspringendenWinkel.
XXXII. „Der Marquis von Montalembert will den Gebrauch der Kasematten wieder„einführen. — Die Ingenieur-Generale aber verwerfen diesen Gedanken, nach der Meinung„der berühmtesten Ingenieure.“
69. Jene berühmten Ingenieure verwerfen mit Recht die Kasematten, welche sieund ihre Vorgänger erbauet hatten (zu denen auch Vauban gehört), weil sie schlecht an-gelegt, ohne Raum und Luftzug waren. Hätten sie dagegen den Raum vergröfsert unddis Oeffnnngen erweitert, wozu eben keine grofse Erfindungskraft gehörte, würde t ihreKasematten eben so nützlich gewesen seyn wie bei der rechtwinklichen Befestigung. Die