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2 (1824) Zweiter Theil / von W. von Grevenitz
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erfassen, die Verhältnisse den verschiedenen Lagen anpassen,alles mit einem Blick schnell übersehen, immer diewirksamsten Schußweiten der Artillerie benutzen undim Auge haben; dies macht die Kunst ihres Gebrauchs.

Die besten Regeln der Kriegswissenschaft und Taktiksind und können nur allgemein seyn. Sie schreiben vor,was bei dieser oder jener Gelegenheit gut und anwendbarist; aber ein Zusammenfluß von Umständen und Zufällenlaßt oft in Ungewißheit, welche Regeln die anwendbarstenseien. Wer kann im Dränge der Begebenheiten, in derHitze des Streits, im Lm-sse des Gefechts, wo von Augen-blicken Alles abhängt, tausend Regeln, die mehr oderweniger Anwendung finden können, durchdenken? Wassoll hier den Ausspruch thun? Man muß durch sorgfäl-tiges Studium einer Menge von Kriegsvorfallen es dahinbringen, daß man durch einen gewissen Takt das Rich-tigste augenblicklich fühle, gleich wie der Virtuose aufeinem Saiteninstrumente, durch ein inneres Gefühl, dieFingerspitzen mehr oder weniger aufdrückt, tiefer oderhöher die Saiten berührt, und harmonische Töne hervor-bringt. Greifen können alle Violinspieler, aber wo bleibtHarmonie und Kunst?

Die Bemühung, die erlernten Regeln anzubringen,ist schon oft Ursache großer Fehler gewesen; das Feuerdes Geistes, das bei diesem oder jenem Entschlüsse nöthigist, verfliegt, indem man zu ängstlich die Regeln um Rathfragt; der Geist wird in seiner Kühnheit aufgehalten; derzu fassende Entschluß muß empfunden werden, wie einBlitz die Seele durchdringen, und hat seinen Schutzgeistin der Einsicht und in dem Beispiele großer Entschlüsse,welche bei jeder Gelegenheit lebhaft dem Geiste vor-schweben müssen.

Die strategische Anlage der Märsche zu entwickeln,gehört hier nicht zum vorgesetzten Zwecke, da wir nur dietaktische Anlage derselben vor Augen haben.