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Praktische Anleitung zum Traçiren der Eisenbahnen / von Joseph v. Traunfels
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VIII
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der Verallgemeinerung der technischen Kenntnisse nur mit m» so grellerenFarben darstellen:

Wenn es noch vor fünfzehn Jahren ein von jedem Techniker lebhaftambitionirtes Ziel war, Eisenbahningenieur zu werden, und wenn es schwe-rer und langjähriger Prüfungen und unverdrossener Ausdauer bedurfte, umdasselbe zu erringen; so ist, dem entgegengehalten, der heutige Stand derDinge bei den Eiseubahnunternehmungen leider ein solcher, daß ein Eisen-bahningenienr, vermöge des außerordentlich gesteigerten Angebotes, ein In-dividuum sehr untergeordneter Natur ist und kaum mehr beachtet wird, alsder nächst beste Kommis eines Großhandluugshanses. In demselben Grade,als der Werth technischer Arbeiten sank, stieg jener der kommerciellen undadministrativen Manipulationen.

Daß dies zum großen Theile nur auf Kosten der Rentabilität undLebensfähigkeit der Eiseubahnunternehmungen vor sich gehen konnte, undden letzteren alle fortschreitende Entwickelung und Ausbildung auf diese Weiseentzogen wurde, muß selbst dem Laien im Eisenbahnwesen einleuchtend sein.

Derjenige Theil der Arbeiten bei neu zu bauenden Eisenbahnen, wel-cher jedoch durch den oben erwähnten Umschwung der Dinge nichts gewann,und von Seite der fortschreitenden Wissenschaften stets am stiefmütterlichstenbehandelt wurde, ist jener der gesammten Vorerhebungen: dasTraciren."

Das Traciren, welches das Gerippe der auszuführenden Bahn in allenihren Theilen festzustellen hat, ist doch jedenfalls eine der wichtigsten, undin ihren Folgen weitgreisendsten Arbeiten, die bei der Anlage und Ausfüh-rung von Eisenbahnen vorkommen können: Und wie auf einem schlecht an-gelegten und verkümmerten Knochengerüste ein gesunder lebenskräftiger Kör-per undenkbar ist, so kann auch eine unzweckmäßig und leichtfertig tracirteBahn nie mehr jenen Anforderungen entsprechen, welche die Gründer derUnternehmung an dieselbe zu richten berechtigt waren, als sie ihre Kapitalien dem Unternehmen zuwendeten.

Das Traciren im allgemeinste» Sinne des Wortes ist eine der älte-sten geodätischen Operationen, die uns bekannt sind. ,

Das großartige Jrrigationssystem Unterägyptens, welches vor fast vierJahrtausenden von den Ingenieuren des großen Ramses angelegt und aus-geführt wurde, liefert einen sichern Beleg für den bedeutenden Grad vonVollkommenheit, den die Aegypter schon zu dieser Zeit in der Kunst desTracirens und Nivellirens erlangt hatten; und wenn uns die Hülfsmittelerhalten worden wären, welche den damaligen Baumeistern zur Bestimmungder Niveauunterschiede gedient haben, so würden wir in denselben wahr-scheinlich die Grundidee unseres bei den Tracirnngen so unentbehrliche»Nivellirinstrumentes wiedererkenne».

Daß i» späterer Zeit die Römer das Nivelliren sowohl in socialer,wie auch in wissenschaftlicher Beziehung, aus dem Grunde verstanden, be-