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Praktische Anleitung zum Traçiren der Eisenbahnen / von Joseph v. Traunfels
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verändert, so muß es, in Bewegung gesetzt, selbstverständlich einer Richtungfolgen, die weder mit dem früheren Kreisbogen, noch mit dessen Tangentezusammentreffen kann. Sein Weg wird vielmehr einer Kurve folgen, welcheals die Resultirende beider Bewegnngstendenzen betrachtet werden kann.

Wir nehmen hier, der Einfachheit halber, nur einen vierräderigenEisenbahnwagen als Beispiel an, da dieselben Betrachtungen in ganz ähn-licher Weise für sechs- und mehrräderige Fahrzeuge gelten.

Die Radreifen eines jeden solchen Fahrzeuges sind nach außen zu,aus einem später zu erörternden Grunde, stets mehr oder weniger konischabgedreht, und es läßt der, zwischen den Spurkränzen und der Innenkanteder Schienen nöthige Spielraum eine seitliche Verschiebung der Radreifen zu.

Trifft'nun das Fahrzeug auf eine Stelle des Geleises , welche eineAbweichung von der normalen Spurweite darbietet, so wird, da die Ver-stellung der beiden Schienen fast nie an derselben Stelle und in demselbenSinne auftreten wird, der Schwerpunkt des Fahrzeuges, der früherenRichtung folgend, aus der Geleismitte treten und es werden die Rädersich somit auf ungleichen Laufkreisen bewegen.

Sobald dies eingetreten ist, muß der Wagen, der Tendenz eine krummeBahn zu beschreiben folgend, sich nach der Seite desjenigen Rades wenden,welches auf dem kleinern Laufkreise rollt. Dnrch das auf diese Weise er-zeugte Moment wird jedoch das Fahrzeug in dieser Richtung noch weitergetrieben, als es zum Ausgleiche der Heiden Laufkreiswege benöthigen würde.

Da nun jetzt die eben geschilderten Kräfte von neuem, jedoch in ent-gegengesetzier Richtung wirken, so werden der ersten Abweichung von dernormalen Lage eine Reihe von Oscillationen folgen, welche wie dieSchwingungen eines Pendels, der vielen hierbei vorkommenden Reibungs-widerstände halber, rasch abnehmen, bis sich das Fahrzeug wieder in seinemnormalen Gange befindet.

Da aber selbst bei dem sorgfältigst ausgeführten Oberbaue stets grö-ßere oder kleinere Deviationen von der normalen Gestalt des Geleises vor-kommen werden, so ist es leicht begreiflich, daß sämmtliche in einer Bahnsich bewegenden Fahrzeuge beständig Oscillationen unterworfen sind, welcheschon an und für sich der lokomotivcn Kraft einen nicht ganz unbedeuten-den Widerstand entgegensetzen, und aus die Betriebsmittel selbst mehr oderweniger schädlich einwirken werden.

Diese Oscillationen könnten wohl verringert, ja ganz aufgehoben werden, wenn mau die Radreifen prismatisch und den Spielraum zwischenden Spurkränzen der inneren Schieuenkante möglichst klein halten würde.Man ist jedoch bisher, wenigstens aus den deutschen und französischenBahnen von der konischen Form der Radreifen noch nicht abgegangen, umnicht durch Beseitigung der Kouicität einen anderen größeren Uebelstandhervorzurufen.

Wenn nämlich die Bahnlinie von der geraden Richtung abweichendeinen Bogen beschreibt, so würde, wenn mau keinen hinlänglichen Spiel-raum zwischen den Spurkränzen und den Schienen ließe das Fahrzeugwegen der unverrückbaren Lage der Achsen sich alsbald zwischen den Schienen einklemmen.

Ferner werden die innern und äußern Räder des Fahrzeuges, indemsie aus einer gemeinschaftlichen Achse festsitzen, in der Kurve naturgemäßungleiche Wege zurücklegen müssen; da dies aber bei gleich großen Lauf-