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Praktische Anleitung zum Traçiren der Eisenbahnen / von Joseph v. Traunfels
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32
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mit hinreichender Sicherheit abzuschätzen vermag. Auch will ich hier nochauf einen Handgriff aufmerksam machen, der manche Unrichtigkeit in derAblesung beseitigen kann, jedoch bisher noch nicht- hinreichend beachtet wurde.Wenn nämlich die Bisnr so hoch geht, daß sie die Latte in einer Höhe von>.5" und noch höher trifft, so ist die nicht ganz senkrechte Stellung derLatte schon von einem wesentlich nachtheiligen Einflüsse auf die Ablesung.Da aber der Figurant fast nie im Stande ist, die vertikale Stellung dervon ihm gehaltenen Latte zu beurtheilen, so ist es angemessen, denselbendahin zu unterweisen, daß er bei jeder Aufstellung die Latte in der Rich-tung des Instrumentes langsam nach vor- und rückwärts beüge. Die nie-drigste Ablesung hierbei giebt die richtige Höhe der Bisnr über dem be-treffenden Pflocke.

Bon dem ersten Fixpunkte an, mit dem Vornivellement ausgehend,wird also der Ingenieur nach den in der ersten Abtheilung angegebenenGrundsätzen, in dem Thale oder in der Ebene, oder wo immer er sich be-finden möge, derjenigen Linie auf dem Terrain folgen, von der er anneh-men kann, daß sie mit der künftigen definitiven Trace am nächsten über-einstimmen dürfte, daher zu scharfe Ecken rc. zu vermeiden sind.

Der Figurant, welcher sein Schrittmaß genau kennen muß, wird zu-gleich die Entfernung der einzelnen Ueberstellungspunkte des Instrumentesmessen und dieselben dem Ingenieure zur Eintragung in das Nivellement-Protokoll mittheilen; ,

Der Gang der Arbeit wird somit kurz zusammengefaßt folgender sein:

Der Figurant steht mit der Latte am Fixpunkte, der Ingenieur ni-vellirt ihn an und bezeichnet ihm hierauf den nächsten Punkt, zu dem ersich in gerader Linie begeben muß und wobei er auf seine Schrittzahl ge-nau Acht zu geben hat. Ist der Figurant am zweiten Punkte angekom-men, so schlägt er den mit Nr. 1 bezeichneten Pflock ein, hierauf ruft erdem Ingenieur die Distanz zu und letzterer nivellirt den Punkt 1 an. Istdies geschehen, so geht der Ingenieur mit den beiden andern Arbeitern,wovon der Eine das Instrument, der Andere die Pflöcke und die übrigenRequisiten zu tragen hat, zum nächsten Ueberstellungspunkte. Hierbei wirdder Ingenieur Zeit finden, die Nächstliegende Umgebung zu rekognoscirenund den nächsten Pflockpnnkt auszuwählen.

Nun wiederholt sich das ganze Manöver abermals, iznd zwar sofort,bis das Vornivellement vollendet ist, oder andere Umstände die Arbeit un -terbrechen. Im letzteren Falle ist als Endpunkt immer ein Fixpunkt zuwählen, um für Fortsetzung der Arbeit eine sichere Basis zu erhalten.

Man kann annehmen, daß ein geschickter Ingenieur in stark koupirtemTerrain auf die eben beschriebene Weise, circa eine deutsche Meile pro Tagvorzunivelliren im Stande ist, da mau ja nur einzelne Hauptpunkte desTerrains zu fixiren braucht, während man alle Details, als Schluchten,welche übersetzt, Hügel, welche durchschnitten werden müssen rc., über- oderumgeht, höchstens deren Tiefe, resp. Höhe abschätzt und im Nivellement-Buch anmerkt.

In einem ebenen Terrain wird man auch natürlicher Weise eine län-gere Strecke vornivelliren können. Es hängt hierbei viel von der Geschick -lichkeit des Ingenieurs und der Uebung des Personales ab.

Ist man auf diese Weise mit dem Vornivellement zu Ende gekom-men, so sind die hierbei gewonnenen Resultate graphisch darzustellen. Zu