322 Emplastrum Hydrargyri
Es sei grau, soviel als möglich ist, ohne sichtbare QueekSilberkügelchen.
Die Tödtung des Quecksilbers 1 nimmt man in einem halbkugelförmigeneisernen Grapen vor, in welchem man auch das Pflaster fertig macht. Manstellt denselben auf einen weiten Strohkranz, damit er beim Reiben nicht schau-kele, giebt den Terpenthin und das Quecksilber hinein, erwärmt ein wenig, umdie allzugrosse Zähigkeit des Terpenthins etwas zu vermindern und fängt nun dasTodten durch rasches und kräftiges Reiben an. Einen besonderen Dienst leistethierbei eine mechanische Vorrichtung, um das Pistill zu führen, wie sie inmeiner pharmaceutischen Technik 1. Aufl. 8. 2G0 und 261, Fig. 202, 203 und204 und 2. Aufl. 8. 302, Fig. 249 beschrieben und abgebildet ist.
Man setzt wohl einige Tropfen Terpenthinöl während des Reibens zu, abernicht zu viel, da es nicht mehr verdunstet, sondern nachher das Pflaster weichmacht. Die Extinction des Quecksilbers mit Terpenthin ist ungleich leichter undkürzer.als mit Hammeltalg oder Schweineschmalz. Die Bodenfläche des Pistillsmuss sich mit einer grossen Fläche und sanft ansteigenden Seiten an die Boden-fläche des Kessels anschliessen, alsdann ist die Extinction ganz leicht. Mim prüftmit einer Loupe, indem man mitten aus dem Mörser und ebenso vorn äusserstenRande kleine Mengen mit dem Finger aufnimmt, auf Schreibpapier zerreibt undnun mit einer mittelmässig guten Loupe betrachtet. Man darf keine Kügelchenmehr sehen. Die Pharmacopoe gestattet einige Toleranz, indem sie hinzufügt:quantum fieri potest. Dieser Zusatz ist menschlich, praktisch und dankbar anzu-erkennen. Man sorge namentlich dafür, dass an den höchsten Regionen des Kes-sels und des Pistills nicht Theilchen hängen, deren Vertheilung von einer etwasfrüheren Zeit herrührt, da man diese Grenzen nicht bei jedem Striche treffenkann, ohne die Masse endlich auf die ganze Kesselwand zu schmieren. DieseRänder müssen deshalb von Zeit zu Zeit mit einem dünnen Ilornspatel abge-streift und das Abgestreifte an dem Boden des Pistills abgestrichen werden. Mankann ohne diese Vorsicht eine sorgfältig abgeriebene Pflastermasse durch einigeoben hängen gebliebene Quecksilberkügelchen ganz verderben, so dass man sie ohneein weit längeres Reiben nicht wieder auf denselben Punkt der Vertheilung bringt,auf dem der grösste Theil schon vorher war. Ehe die vollkommene Tödtung desQuecksilbers geschehen und man sich davon aufs Bestimmteste überzeugt hat, darfman das Pflaster nicht fertig machen, weil nachher ein ferneres Vertheilen ganzunmöglich ist. Ebenso muss man Sorge tragen, dass die bereits erlangte feineVertheilung des Quecksilbers nicht wieder durch unvorsichtiges Verfahren aufge-hoben werde. Das Bleipflaster und das Wachs werden in einer besonderenPfanne mit Ausguss geschmolzen und unter Umrühren etwas erkalten gelassen.Man bringt nun eine kleine Menge der Pflastermasse in das getödtete Queck-silber und arbeitet rasch unter, und fährt so fort, bis die Hälfte hinzugefügt unduntergearbeitet ist. Die zweite Hälfte kann man auf einmal zufügen und ein-mengen. Die Pharmacopoe lässt das getödtete Quecksilber der Pflastermasse bei-mengen. Das geht auch ganz gut, ist aber im Ganzen etwas gefährlicher; dennwenig Quecksilbermasse wird von der ganzen Menge des Bleipflasters vollständigzu dessen eigener Temperatur erhöht, während umgekehrt eine kleine Menge desBleipflatters die ganze Menge des Quecksilberkörpers nicht erwärmen kann. Mankann übrigens so und so zum Ziele kommen.
Während des allmähligen Erkaltens findet das Malaxiren und Ausrollenmit nassen Händen und nassem Rollbrette Statt. Erkaltete unförmliche Stückesoll man nicht einschmelzen und wieder erkalten lassen, sondern in einer grossenMenge mittelwarmen Wassers durch längeres Darinliegenlassen erweichen, nia-laxiren und nun ausrollen.