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Flores Tiliae.
Die Rainfarrnblumen werden von ihren Stielen in voller Reife abgerissen,rasch getrocknet und in Gläsern oder Blechbüchsen aufbewahrt. Sie haben, wiedie meisten Wurmmittel, einen starken widerlichen Geruch, der nichts wenigerals gewürzhast ist. Die ganze Pflanze enthält reichlich ein ätherisches Oel,welches durch Destillation gewonnen werden kann. Als Wurmmittel dürften siearn kräftigsten, im frischen Zustande mit Zucker zu einer Conserve angestossen,wirken. Syngenesia superflua, Cl. XIX. Ord. 2.
Flores Tiliae. Lindenblttthen.
Tilia europaea Linn. Tilia niicrophylla Venten. et Tilia platyphylk
Scopoli. TUiaceae.
Blumen piit fünftheiligein Kelche, fünfblätteriger Blumenkrone,zahlreichen auf dem Fruchthoden sitzenden Staubfaden, etwas ku-gelförmigen, rauhhaarigen Fruchtknoten. Die Bäume sind einhei-misch. Die Blumen sollen ohne Blüthenstielchen und Bracteen ein-gesammelt und in wohl verschlossenen Gelassen, und nicht überein Jahr, aufbewahrt werden.
Die Pharmacopoe hat hier eine andere Form dieses als Hausmittel vielfachangewendeten Thees vorgeschrieben. Sie lässt die Blumen, von den Blüthen-stielchen und den hellgrünen dünnen Bracteen getrennt, einsammeln und verbrau-chen. Es erleidet keinen Zweifel, dass die Wirksamkeit dieses Thees vorzugs-weise in den Blumen liegt, und dass durch Entfernung der wirkungslosen Theileeine substantiösere und wirksamere Substanz erhalten wird. Dennoch bereitetdiese neue Form dem Apotheker nur Schwierigkeit, und er ist genöthigt, beideArten von Lindenblumen vorräthig zu halten. Die neuen Lindenblüthen sindungleich theurer als die älteren, weil sie mit grösserer Mühe des Einsammelnsein weit kleineres Product liefern. Dem Publicum gegenüber kann der Apothe-ker, der nun für denselben Preis eine kleinere Menge abgeben muss, sich nichtin Erklärungen einlassen, wie es dem Verfasser der neuen Pharmacopoe gefallenhabe, den längst bekannten Lindenblüthenthee in einer anderen concentrirten Ge-stalt aufbereiten zu lassen, weil solche Erklärungen zu keinem Ziele führen,auch der Apotheker weder Zeit noch Lust hat, sich in dieselben einzulassen.Oeffnet nun das Publicum die kleine Tute, so findet es eine braune Substanz,die von dem früheren mit grünen Blättchen durchsetzten Thee auf eine unange-nehme Weise verschieden ist. Gerade die Blüthen dunkeln am meisten nach,während die Bracteen ihre lichtgrüne Farbe behalten. Die sorgfältig getrock-neten Blumen der neuen Pharmacopoe sehen gleich von vorn herein viel nuss-farbiger, geschrumpfter und gleichsam durch das Alter verlegener aus, als diefrüheren Blüthen nach jahrelangem Aufbewahren. Um also aus diesem Dilemmaheraus zu kommen, bleibt dem Apotheker nichts übrig, als beide Arten vonLindenblumen vorräthig zu haben, die älteren für das grosse Publicum, dieneueren für die Revisoren oder diejenigen Aerzte, welche sie gerade wünschen.Die Linde gehört zur Polyandria Monogynia Cl. XIII, Ord. 1.