480 Hydrargyrum oxydatum rubrum.
stört, uni das .Quecksilber zu oxydiren. Der Stickstoff der Salpetersäure bleibtnür mit 2 Atomen Sauerstoff zu Salpetergas (NO s ) verbunden, welches ent-weicht und unter Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffs die rothen Dämpfeder salpeterigen Säure bildet.
Durch die fernere Erhitzung des Salpetersäuren Quecksilberoxyduls trittnoch 1 Atom Sauerstoff an das Quecksilberoxydul und verwandelt es in Oxyd.1 Atom Salpetergas (N O s ) und 2 Atome freies Sauerstoffgas entweichen. Istaber dem Salze metallisches Quecksilber beigemischt, so treten 2 Atome Sauer-stoff je nach dessen Menge ganz oder theilweise an das Quecksilber und ver-wandeln es ebenfalls in Oxyd. Die Gegenwart des metallischen Quecksilbersbefördert demnach die Zersetzung der Salpetersäure und die Operation desRothbrennens wird bedeutend erleichtert, sowie auch Reste von unzersetzterSalpetersäure eher vermieden verden.
In früheren Zeiten wurde der rothe Präcipitat durch Erhitzen von metalli-schem Quecksilber in weiten, mit Luft gefüllten Glasgefässen dargestellt. Maunannte dieses Präparat Mercurius praecipitatus per se. Die Erhitzung dauertemehrere Monate lang, und es eignet sich deshalb diese Methode nicht zur phar-maceutischen Praxis. Sie ist auch um so eher zu entbehren, als das mit Sal-petersäure dargestellte Oxyd dieselbe Zusammensetzung und arzneiliche Wirk-samkeit wie das durch Erhitzung allein bereitete Präparat besitzt. Das Queck-silber hat bei einer gewissen Temperatur, die nahe unter seinem Siededunkteliegt, einige Verwandtschaft zum Sauerstoff, und verbindet sich damit wie ein unedlesMetall. Bei stärkerer Erhitzung zerfällt diese Verbindung wieder in Sauer-stoffgas und metallisches Quecksilber, welche freiwillige Reduction es mit denedlen Metallen gemein hat. Man sieht also, mit welcher Sorgfalt und Erfahrungdie richtige Temperatur beibehalten werden muss, wenn man nicht durch einenAugenblick zu starker Erhitzung das Product mehrerer Wochen von Heizungund Arbeit zerstören will, und dass, wenn die Menge des in Arbeit genomme-nen Präparats nicht hinreichend ist, um die Arbeit die Nacht über fortzusetzen,durch jede Nacht eine Unterbrechung der Arbeit und ein grosser Verlust anWärme stattfinden muss. Aus allen diesen Gründen möchte wohl die directeOxydation des Quecksilbers durch die blosse Erhitzung nicht mehr mit Vortheilausgeübt werden können.
Das Quecksilberoxyd, wie es im Händel vorkommt, ist eine krystallinischkörnige oder schuppige Masse, die in grösseren Stücken zusammenhängt, glän-zend und von lebhaft ziegelrother Farbe; durch das Pulvern und Zerreibenunter starkem Druck (Pharmac. Technik 1. Aufl. 8. 201, Fig. 204, 2. Aufs8. 302, Fig. 249 und 8. 297, Fig. 242) wird die Farbe heller pomeranzengelb; imKleinen bereitet, stellt das Quecksilberoxyd eine matte, bräunlich-ziegelrothe,lockere erdige Masse oder Pulver dar. Beim jedesmaligen Erhitzen wird dieFarbe dunkler, und geht durch zinnoberroth in violettschwarz über. Es schmecktetwas metallisch und ist ein sehr heftiges Gift. Das specif. Gewicht desselbenist 11,20. Es besteht aus 1 At. Quecksilber (100) und 1 At. Sauerstoff (8), hatalso das Atomgewicht 108.
Das Quecksilberoxyd muss ganz flüchtig sein, indem es durch die Hitze inSauerstoffgas und Quecksilberdampf zerfällt. Es ist selbst, wenn es durch di-recte Oxydation bereitet ist, also frei von Säure sein muss, nicht ganz unlöslichin Wasser, und eine mit siedendem Wasser gemachte Lösung wird selbst durchHydrothionammoniak gebräunt, und sie bläuet geröthetes Lackmuspapier. Wennnicht alle Salpetersäure zerstört ist, so löst sich eine grosse Menge des Salzes,so dass sogar Ammoniak einen weissen Niederschlag geben kann. In diesemFalle muss das Oxyd noch einmal gebrannt, oder mit einer Lösung von koh-saurem Natron oder verdünntem Aetzkali gekocht, gut ausgewaschen und ge-