Liquor Chlori.
87
bis hoch in den Hals hinein vollkommen an (Fig. 18). Nun giesse man concen-
Fig. 18 .
trirte rohe Salzsäure ohne alle Verdün-nung in den Kolben, bis der Bauch desKolbens zur Hälfte davon gefüllt ist.Auf 1 Pfund Braunstein kommen hier 2bis 3 Unzen rohe Salzsäure. Man setzenun die Gasleitungsröhre mit ihrem Korkefest auf. Die Entwickelung beginnt schonin der Kälte, wird aber durch die gelin-deste Erwärmung sehr reichlich und un-gemein gleichförmig. Die ganze Mengedes überhaupt frei werdenden Chlorgasesentwickelt sich, ohne dass die Leitungs-röhre auch nur fühlbar warm werde.Ein Abdunsten von salzsaurem Gase istunmöglich, weil es die überragende hoheBraunsteinschicht durchdringen muss.Die Entwickelung ist nicht stürmisch,weil wegen der kleinen Oberfläche desBraunsteins im Verhältnis zu jener vonfeinem Pulver in jedem Augenblicke einegleich grosse Menge wirksamer SubstanzChlorgasentwickelung. dargeboten ist. Bei feinem Pulver löst
sich der feinste Staub fast gleichzeitig auf, weshalb hier sehr leicht ein Ueber -steigen oder eine stürmische Entwickelung, welcher nachher eine grosse Mattig-keit folgt, eintritt. Ein Uebersteigen findet bei der eben empfohlenen Methodefast niemals Statt, da die Blasen durch die Braunsteinstücke zerrissen werden.Endlich leidet auch das Gef äss nicht die geringste Gefahr, weil der Boden immermit Flüssigkeit bedeckt ist, indem der Braunstein denselben nur auf einzelnenPunkten berührt. Auch kann man sich der kleinsten Entwickelungsgefässe be-dienen, da eine sehr concentrirte Säure angewendet wird. Die Erwärmung imWasserbade reicht vollkommen aus. Nachdem die Entwickelung beendigt ist,stürzt man den Kolben auf einen engen Glastrichter um, lässt, ohne die Braun-steinstücke auszugiessen , ablaufen und spült die Salzlösung mit Wasser aus. Indiesem Zustande bewahrt man den Kolben bis zum nächsten Gebrauch. Die an-gewendete Salzsäure ist vollkommen benutzt worden, und von dem Braunsteinist nur der wirklich benutzte verschwunden. Bei dem Waschen mit Wasser hatsich alles feine Pulver abgespült.
Der zweite Theil der Bereitung des Chlorwassers ist die Absorption. DiePharmacopoe empfiehlt einfach, das Gas durch das Absorptionswasser einmalhindurch gehen zu lassen. Dieses Verfahren ist sehr unvollkommen, indem dasGas viel zu schwer verschluckt wird, um bei der kurzen Berührung während desAufsteigens einer Glasblase bedeutend aufgenommen zu werden. Die Folge da-von ist, dass eine ungemein grosse Menge Chlorgas durch das Wasser geleitetwerden muss, und dass bei weitem der grösste Theil des Gases aus dem offenenHalse der Flasche entweicht und die umgebende Luft verdirbt. Aus diesemGrunde ist das Arbeiten im Freien, was in jedem Falle zu empfehlen ist, hierganz unumgänglich.
Die Absorption kann nur durch reichliche Berührung des Gases und desWassers beschleunigt werden, und diese kann am leichtesten und vollständigstendurch heftiges Schütteln bewirkt werden. Es findet dabei dasselbe Verfahren derArt nach Statt, welches bei der Bereitung der künstlichen Mineralwässer überall