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Commentar zur Preussischen Pharmacopoe : nebst Uebersetzung des Textes : für Apotheker, Aerzte und Medicinal-Beamte / nach der sechsten Auflage der Pharmacopoea Borussica bearbeitet von Friedrich Mohr
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Serum Lactis.

Molken geliefert werden. Ob dies nun mit Weinsteinsäure, Alaun, Essigsäure,Tamarindenaufguss oder anderen sauren Flüssigkeiten geschehe, verschlägt nichtviel. Wir danken der Pharmacopoe, dass sie uns vor dem Labmagen behütethat, denn seine Behandlung ist doch die unangenehmste, abgesehen davon, dassman ihn nicht einmal überall leicht haben kaun.

Die Pharmacopoe hat die Weinsteinsäure zum Abscheiden des Käsestoffsvorgezogen und sagt von der Mölke sit turhidum, Die Trübheit scheint nunweder eine heilsame, noch eine angenehme Eigenschaft der Molken zu sein,und man konnte bei der Auswahl eine solche Säure treffen, welche klare Mol-ken liefert. Die Weinsteinsäure giebt nun sehr leicht trübe Molken, dagegendie Salzsäure klare. Bedenkt man, dass weder die Weinsteinsäure, noch dieSalzsäure in der Mölke bleiben, sondern mit dem Käse niederfallen, so ist auchweder im Geschmacke, noch in der Zusammensetzung ein Unterschied zu be-merken, als dass die eine Mölke klar, die andere trüb ist. Ich würde demnachstatt der vielen Molkenvorschriften, die alle kein schönes Product liefern, nurdie einzige aufgenommen haben, wornach mit Salzsäure die Molken bereitetwerden sollen. Man bringe eine beliebige Menge Kuhmilch in einer zinnernenoder porcellanenen Schale aufs Feuer oder auf den Apparat und lasse bis naheans Sieden warm werden. Dann füge auf jede Unze Milch einen Tropfen reineofficinelle Salzsäure hinzu. Bei sehr käsereicher Milch sind zuweilen einigeTropfen mehr nöthig, welches man bald aus der Erscheinung abnehmen kann.Nachdem die Flüssigkeit gelinde umgerührt ist, dass alle Theile sich vollkommendurchdrungen haben, ohne aber dass man die Käseflocken vertheilt und aufge-lockert habe, setze man vorn Feuer ab und lasse erkalten. Nun erst filtrireman, indem heiss flltrirte Molken sich häufig nach dem Erkalten noch einmaltrüben. Alle übrigen Künsteleien, wie Aufkochen mit Eiweiss und Absüssenmit Conchae praeparatae (Serum Lactis dulcißcatum der 5. Aufl. der Pharmacopoe)sind überflüssig und bei einem Nahrungsmittel, wie Molken gewissermaassendoch sind, gar nicht zu empfehlen. Ueberhaupt muss bei dieser Arbeit, derenProduct Jedermann beurtheilen kann, und das sich durch seinen milden süssen.Geschmack und seine Geruchlosigkeit vor allen Arzneien auszeichnet, die grössteReinlichkeit beobachtet werden, und alles überflüssige Umherpantschen in Be-sässen und mit Trichtern, Colatorien möglichst vermieden werden. Pharma-ceutische Colatorien, Tenakel, Spatel sollen ganz entfernt gehalten und lieberaus der Küche gewöhnliche irdene Kochgeräthe, silberne Löffel und Selber ge-liehen werden.

Nachdem der Käsestoff, Quark, sich abgesetzt hat, ist die Mölke ganz neu-tral; die vielen Tropfen Salzsäure sind nicht durch das blaue Lackmuspapierzu entdecken. Was also hierin noch durch Conchae weggenommen werden soll,ist nicht zu ersehen. Mit Recht hat deshalb auch die neue Pharmacopoe dieseOperation ganz unterdrückt. Noch weniger kann man die Mölke, welche nichtmit Conchae behandelt worden ist, Serum Lactis acidum nennen, denn sie istin der That nicht sauer. Die Molken mit Tamarindenaufguss haben eineschlechte Farbe von dem Aufguss der Tamarinden angenommen, enthalten abersonst nichts daraus, selbst nicht einmal die Säure.

Die abgeklärten Molken werden durch ein Filter aus lockerem Papiere mdas Glas filtrirt, worin sie verabreicht werden sollen. Klare Molken filtrirensehr leicht; trübe Molken, welche noch einen Rest von Butt^ enthalten, ver-stopfen leicht das Filtrum und tröpfeln dann sehr langsam. Man bereitethöchstens auf einige Tage voraus, weil leicht Säure eintritt. Man bewahrt mwohl verschlossenen Gelassen im Keller auf.