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Denkrede auf Christian Samuel Weiss : gehalten in der öffentlichen Sitzung der königl. Bayer. Akademie der Wissenschaften am 28. November 1856 / von Dr. Carl Friedr. Phil. v. Martius
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Hochansehnliche Versammlung!

Gestatten Sie mir einige Worte der Erinne-rung an einen Mann, von dem die Akademie sagenkann, er sei ihr jüngstes Mitglied gewesen, er seiihr ältestes geworden.

Ihr jüngstes, denn einen noch nicht Drei-undzwanzigjährigen nahm i. I. 1803 die churpfalz-bayerische Akademie d. W. als Verfasser einer vonihr gekrönten Preisschrift auf.

Ihr ältestes, denn von gleich fernem Erncn-nungsdatum lebt Keiner mehr in unserem Kreise.

Dreiundfünfzig Jahre, eine Epoche des staunens-würdigsten Fortschrittes, hat Weiß uns angehört. Erhat in dieser Periode einen Standpunkt von histori-scher Bedeutung eingenommen: denn Weiß ist derUrheber einer mathematischen Krystallographie, der Be-gründer einer analytisch - geometrischen Behandlungdieser Wissenschaft.

Jeder, auch der geniale und schöpferische Mannder Wissenschaft, ist das Kind seiner Zeit. Werfenwir aber einen Blick auf den Boden, worin dasLeben unseres trefflichen Collegen wurzelte, aufdie geistige Umgebung, woraus er die Lcbenluft derLehre und Anregung cinsog, so offenbart sich unseine durchaus selbstständige Natur. Gerade darin leuch-tet die geistige Energie des Mannes, daß er aus sichheraus ein ganz Anderer wurde, als Jene, unterderen Vermittelung, mit deren Hilfe er in die Wis-

senschaft eintrat; und um so verdienstvoller erscheintuns diese Eigenthümlichkeit, da jenes Männer wa-ren, wie ein Werner, ein Haüy.

Christian Samuel Weiß , k. preuß. Geh. Ober-Bergrath, ord. Professor der Mineralogie, Directordes mineralogischen Museums und Mitglied der k.Akademie d. W. in Berlin , ist am 26. Fcbr. 1780zu Leipzig geboren. Sein Vater war damals Archi-diaconus an der Nicolaikirchc; auch sein Großvaterhatte dieselbe Stelle bekleidet. Nach dem ersten Un-terrichte im älterlichcn Hause ward er einem Freundedes Vaters, dem Rcctor der evangelischen Gnaden-schuß vor Hirschberg in Schlesien und kaiserl. gekrön-ten Dichter, Magist. C. L. Bauer, einem tüchtigenPhilologen aus Ernesti's Schule, anvertraut. DerSegen einer classischen, von Sittlichkeit getragenenBildung, wie er sie dort cmpfieng, frisch, liberalund frei von hochmüthigcm Schulpedantismus, be-gleitete ihn, dankbar gewürdigt, durch das Leben. Zu-nächst aber war in jener Jugendzeit von mächtigemEinfluß auf den vierzehnjährigen Schüler eine längereFußwanderung, mit einigen Studicngenossen, unterFührung seines älteren Bruders, des als Pädagogenund Philosophen bekannten Christ. Weiß, durch Sach-sen, Schlesien und Böhmen Sein offener, be-

l) Sie wurde vvn Letzterem beschrieben: Wanderungenin Sachsen, Schlesien, Glatz und Böhmen . Leipz.1795, 96. 2 Bde. 8.

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