Hochansehnliche Versammlung!
Gestatten Sie mir einige Worte der Erinne-rung an einen Mann, von dem die Akademie sagenkann, er sei ihr jüngstes Mitglied gewesen, er seiihr ältestes geworden.
Ihr jüngstes, denn einen noch nicht Drei-undzwanzigjährigen nahm i. I. 1803 die churpfalz-bayerische Akademie d. W. als Verfasser einer vonihr gekrönten Preisschrift auf.
Ihr ältestes, denn von gleich fernem Erncn-nungsdatum lebt Keiner mehr in unserem Kreise.
Dreiundfünfzig Jahre, eine Epoche des staunens-würdigsten Fortschrittes, hat Weiß uns angehört. Erhat in dieser Periode einen Standpunkt von histori-scher Bedeutung eingenommen: denn Weiß ist derUrheber einer mathematischen Krystallographie, der Be-gründer einer analytisch - geometrischen Behandlungdieser Wissenschaft.
Jeder, auch der geniale und schöpferische Mannder Wissenschaft, ist das Kind seiner Zeit. Werfenwir aber einen Blick auf den Boden, worin dasLeben unseres trefflichen Collegen wurzelte, — aufdie geistige Umgebung, woraus er die Lcbenluft derLehre und Anregung cinsog, so offenbart sich unseine durchaus selbstständige Natur. Gerade darin leuch-tet die geistige Energie des Mannes, daß er aus sichheraus ein ganz Anderer wurde, als Jene, unterderen Vermittelung, mit deren Hilfe er in die Wis-
senschaft eintrat; und um so verdienstvoller erscheintuns diese Eigenthümlichkeit, da jenes Männer wa-ren, wie ein Werner, ein Haüy.
Christian Samuel Weiß , k. preuß. Geh. Ober-Bergrath, ord. Professor der Mineralogie, Directordes mineralogischen Museums und Mitglied der k.Akademie d. W. in Berlin , ist am 26. Fcbr. 1780zu Leipzig geboren. Sein Vater war damals Archi-diaconus an der Nicolaikirchc; auch sein Großvaterhatte dieselbe Stelle bekleidet. Nach dem ersten Un-terrichte im älterlichcn Hause ward er einem Freundedes Vaters, dem Rcctor der evangelischen Gnaden-schuß vor Hirschberg in Schlesien und kaiserl. gekrön-ten Dichter, Magist. C. L. Bauer, einem tüchtigenPhilologen aus Ernesti's Schule, anvertraut. DerSegen einer classischen, von Sittlichkeit getragenenBildung, wie er sie dort cmpfieng, frisch, liberalund frei von hochmüthigcm Schulpedantismus, be-gleitete ihn, dankbar gewürdigt, durch das Leben. Zu-nächst aber war in jener Jugendzeit von mächtigemEinfluß auf den vierzehnjährigen Schüler eine längereFußwanderung, mit einigen Studicngenossen, unterFührung seines älteren Bruders, des als Pädagogenund Philosophen bekannten Christ. Weiß, durch Sach-sen, Schlesien und Böhmen Sein offener, be-