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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870.

Von

M oriz Brunner,

Hauptmann im k. k. Genie-Stabe.

(Mit zwei Tafeln No. 1 und 2 und einem Holzschnitt.)

Als nach den in rascher Folge sich wiederholenden taktischen Schlägendie französische Feldarmee vernichtet oder gefangen und ein grosser Theildes französischen Landes von den Siegern überschwemmt war, da richtetensich in Frankreich Aller Augen auf die Festungen: - sie repräsentirten jaeinige Quadrat-Klafter Erde , in welchen noch ein Theil der bewaffnetenMacht Frankreichs erfolgreich Widerstand leistete und in Tapferkeit undAusdauer, in Entsagung und Heroismus mit den Bürgern wetteifernd, demGegner ein schweres Stück Arbeit machte.

Obwohl mit der mobilen Feldarmee auch die Festungen einen harten Slosserhielten, indem nunmehr auf Entsatz nicht zu hoffen war, so setzte man dochalles Vertrauen auf die Standhaftigkeit dieser Bollwerke und hoffte, in derZeit, während diese den Feind festhielten, eine neue Armee aus dem Bodenzu zaubern, die dann im offenen Felde die Stirne bieten konnte.

Noch haben sie keine Festung, war nach dem furchtbaren Schlagevon Sedan der schwache Trost, der auf den Lippen aller Franzosen schwebteund voll Bewunderung sah man auf die Connnandanlen derselben, welchenicht wie jene, die, allbeneidet, dem Feind zum offenen Kampfe enlgegenzo-gen, binnen wenigen Wochen die Überlegenheit des Gegners anerkennenmussten.

So ergieng es unter Andern auch Strassburg .

In Aller Mund war Held Uhrich, und die Regierung in Tours setzteein grünes Lorbeerreis auf das welke Haupt des Greises. Nicht lange abersollte das Glück des belohnten Verdienstes demselben ungetrübt lächeln.

Als die schwer heimgesuchte Stadl den Feinden und dann auch den Frem-den geöffnet wurde, als man die Grösse des Schadens erkannte, den feindlicheGeschosse den friedlichen Bürgern gethan, aber eine Bevölkerung fand, dieauf den Trümmern ihres Glückes und über den Leichen ihrer Angehörigeneinen Heroismus bewahrte, welcher sie den antikem Helden würdig an dieSeite stellt, als man wohl zerschossene Häuser, niedergebrannte Vorstädte,aber auch ganze Festungswerke erblickte, als die amtlichen Berichte fest-stellten, dass Uhrich mit 17.000 Mann die Waffen streckte und dem Feindeein reiches Kriegsmaterial als Beute überliess, als man nicht, wie erwartet

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