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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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Die yCTtheiäignng von Strassburg im Jahre 1S70.

Als man sich im Hauptquartiere des Belagerungs-Corps überzeugthatte, dass man durch das Bombardement weder den Commandanten nochdie Bevölkerung einzuschüchtern vermochte, das vorgesteckte Ziel somitnicht erreicht werden könne, ohne die Zerstörnng auf einen Grad zu erhöhen,welche die dem deutschen Reiche wieder zu gewinnende Stadt ihres Wohl-standes für viele Jahre beraube, wurde am 27. der Beschluss gefasst, dasBombardement aufzugeben und die regelmässige Belagerung zu beginnen.

Und nun wurde hauptsächlich auf die Wälle und Casernen geschossen,was jedoch die zu hoch gehenden Geschosse nicht hinderte, noch zahlreicheGebäude in Brand zu stecken; immerhin nahm die Zahl der Opfer ab, und imInnern der Stadt war es ziemlich sicher 1 ).

Den 29., 30. und 31. verzeichneten die Strassburger eine furchtbareKanonade, die von den Wällen aus nur schwach erwidert werden konnte.Unter dem Schutze dieses Feuers wurde in der Nacht vom 29. auf den 30.August die erste Parallele ohne Widerstand und ohne Verlust in einer Längevon 4500 Schritten ausgehoben. Sie lehnte sich links an die Inundalion,rechts an Königshofen und hatte 6800 Schritte Abstand vom Kamme desvorderen Glacis, 9001000 vom Glacis der Aussenwerke und war 131400 Schritte vom Hauptwalle, der Steinfront (1112) entfernt. Gleichzeitigdamit wurden die mittlere und die linke Communication, welche die gedeckteVerbindung mit dem rückwärts befindlichen, von der Festung nicht mehreingesehenen Terrain vermitteln sollten, zustande gebracht. Beide zusammenhaben über */ 2 Meile Ausdehnung, so dass in einer einzigen Nacht nahezu1 Meile Laufgraben von 4 Fuss Tiefe ausgehoben wurde.

Die Parallele wurde sofort mit 10 Batterien besetzt, und gesellten somitzu den frühem, welche als Einleitungs-Batterien aufzufassen sind, neue 42schwere Geschütze ihr Feuer.

Der Belagerte ersah mit Staunen bei Tagesanbruch die zu Stande ge-brachte Arbeit und erkannte allem Anscheine nach, dass er sich in der Vor-aussetzung rücksichllich der Angriffsfront getäuscht und jener des Stein-Thores wenigstens nicht am Meisten gedacht hatte.

Er wird kaum mit mehr als 2030 Geschützen zur Antwort gekommensein; überdies warendie Schüsse schlecht gezielt: natürlich, es fehlte ja anArtilleristen ; das französische Geschützsystem ist auch um Vieles schlechterals das preussische. Kein Wunder, dass die Festungs -Artillerie nach wenigenStunden schwieg und dem Gegner fast keinen Schaden zufügte.

Am folgenden Tage wurden die Laufgräben verbreitert (die Parallelebis auf 10 Fuss Sohlenbreite), in der Nacht des 31. mit zwei Approchenzügen,und zwar einem links und einem von der Mitte vorgegangen. In der Nachtvom 1. zum 2. September wurde die zweite Parallele, 3400 Schritte von

*) Die Beilage 1 gibt eine Übersicht der Opfer des Bombardements nach denTagen des Ablebens.