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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870.

In der Nacht vom 13. zum 14. wurde eine Halbparallele, welche bisauf 40 Schritte an den Glaciskamm herantrat, ausgeführt.

Der 15. wurde durch einen grösseren Ausfall gegen die Sporen-Inselbemerkbar gemacht. Die Badenser waren schon früher mittels Kähnen überden Rhein gegangen, hatten eine Brücke über den kleinen Rhein geschlagenund von der Ruprechtsau Besitz genommen. Einen positiven Vortheil erreichteder Ausfall nicht.

Am 17. September wurde die Krönung des bedeckten Weges vorLünette 52 und 53 vollendet, und bei dieser Gelegenheit von dem Ingenieur-Hauptmann Ledebour durch eine kühne Recognoscirung gegen den Grabender Lünette 53 die Minen-Anlagen, von welchen man eine allgemeine Kennl-niss bereits hatte, unbesetzt gefunden und unschädlich gemacht. Sobald dieKrönungjedoch von der Verbreiterung abgesehen beendet war, wurdesofort die 18 Fuss hohe Escarpe-Mauer der Lünette 53 aus 1000 SchrittEntfernung mit dem eigens zum Brescheschiessen bestimmten kurzen gezo-genen (15 centimetrigen) 24Pfünder in Bresche geschossen, und war die-selbe am 18. Abends fertig. Die Geschosse gingen knapp über die Brustwehrder Krönung, rissen auch theilweise die Körbe derselben um, so dass derLaufgraben unpassirbar wurde. Auch flogen die Ziegeltrümmer der Escarpebis in die zweite Parallele.

Die Schüsse wurden hierbei aus der Krönung und von den Minen-Eingängen aus corrigirt. (Kölner Zeitung.)

Als am 18. die Bresche für gangbar anzusehen war, wurden die herab-gestürzten Körbe rasch wieder gesetzt und nun eine Graben-Abfahrt feinvon der Krönung bis an den Wasserspiegel des Grabens führender Lauf-graben mit fallender Sohle) ausgearbeitet und mit Eisenbahnschienen undErde eingedeckt.

Die Escarpe-Mauer wurde am 20. September 4/ 4 Uhr Morgens durcheine Mine auf 12 Fuss Breite eingeworfen. Nach einer Arbeit von 2 Nächtenund einem Tag war man von der Krönung unbelästigt bis an den Wasser-spiegel gekommen.

Unterdessen waren die Arbeiter zur Ausführung des Dammes, welcherüber den 4 Fuss, in der Cünette 8 Fuss tiefen, 10 Klafter breiten Grabengebaut werden sollte, vorgeführt worden.

Zu diesem Behufe wurden in der Graben-Abfahrt 2 Reihen Arbeiterangestellt, von welchen die eine mit Erde gefüllte Tragkörbe vorreichte,welche, nachdem der Inhalt in den Graben entleert war, auf der andern zurück-gegeben wurden. So lange cs noch Nacht war, wurden von Sappeuren überdie Brustwehr hinüber Senkfaschinen geschafft und durch diese der Dammvervollständigt; bei Tagesanbruch konnte man schon beginnen, auf dem 20 Fussbreiten Damm nach links zu eine Brustwehr zu errichten, welche gegen dieflankirenden Schüsse der Lünette Nr. 52 aus 2 Reihen nebeneinander ge-stellter Sappekörben, die zuerst mit Erde, dann aber mit Sandsäcken gefülltund gekrönt wurden, bestand. Indessen fiel kein Schuss vom flankirenden