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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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VI. Beurtheilung der Vertheidigung.

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denselben zu fürchten, und wer unter dem Zischen einzelner Kugeln dieFeuertaufe erhalten, der verliert auch im Geknatter des Salvenfeuers und imGetöse des Bombardements nicht die Besinnung. Nur das Plötzliche, dasUnerwartete, das Niegesehene verbreitet Schrecken.

Solche vorgeschobene Feldwerke und befestigte Örtlichkeiten habenbei vielen Belagerungen, insbesondere bei der Vertheidigung von Ostende (16011604), von Mainz 1793, Colberg 1807, Sebaslopol 1855, Witten­ berg 1813, grosse Dienste geleistet. Im gegenwärtigen Kriege liefert Beifortein gutes Beispiel. Die Franzosen halten die vorliegenden Waldparcellen undDörfer mit grosser Zähigkeit fest und fügen dem Angreifer beim Kampf umselbe grosse Verluste zu.

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass zu solchen Kämpfen einetüchtige Truppe gehört. Diese war aber bei Strassburg im Anfänge nur das87. Regiment, welchem man aber hauptsächlich als Tirailleurs und zur Be-satzung von Häusern etc. die Depots der Chasseurs und die Franc-tireurs bei-geben konnte, die hier eine gute Schule im Schiessen durchgemacht hätten.Durch die vorgeschobenen Posten vor Überraschungen gesichert, konnte dieBewachung des Innern ganz gut den Mobilgarden, ja selbst der sesshaftenNationalgarde anvertraut werden.

Die Vertheidigungs-Instandsetzungs-Arbeiten konnte man dann mitgrösserer Ruhe durchführen. In der Zeit vom 15. Juli bis 6. August musstendoch wenigstens jene gegen den gewaltsamen Angriff vollendet worden sein.Vom 6., als von dem Tage an, da eine Belagerung immer wahrscheinlicherwurde, musste aber mit aller Energie gearbeitet werden.

Das Nothwendigste wäre sodann gewesen, die Kräfte der sehr willigenBevölkerung auf das Ausgedehnteste in Anspruch zu nehmen, und:

1. Den Gemeinderath zu beauftragen, das Vorfeld binnen einer be-stimmten Anzahl von Tagen lichten zu lassen.

2. Die Bahnhof-Direction anzuweisen, sämmtliche überflüssigen Geleiseund nach vollendeter Cernirung alle Schienenstränge aufzureissen, die Schienenund das sonstige Baumateriale an vorbezeichneteOrte zu deposiliren.

3. Die Stadlbaumeister mussten längs der Wallböschungen aus den vor-handenen Holzvorräthen und Eisenbahnschienen nach Skizzen des Genie-Directors bombensichere Unterkünfte, sowohl für die Besatzung als auch fürdie Obdachlosen, errichten.

4. Die Gemeinde hätte für die Verproviantirung, dann für die Blin-dirung der wichtigsten Gebäude und die Löschvorrichtungen zu sorgen gehabt.

5. Sämmtliche Civil-Ingenieure, Baumeister und Poliere mussten mitihren Arbeitern dem Genie-Director zur Verfügung gestellt werden.

Indem man so jene Arbeiten, zu deren Durchführung ein Genie-Officiernicht absolut nolhwendig ist, dem Civile überliess, konnten sich die vorhan-denen Genie-Officiere einzig in die rein fortificatorischen Arbeiten theilen.

Jedem Genie-Officier musste man einige der disponiblen Civil Ingenieureoder Baumeister, dann einen Zimmermeister, mehrere Poliere und ein bestimmtes,