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nähern an die Festung verwehren und ihn durch zahlreiche Verluste vorsichtigmachen sollen. Die Angriffsseile war ausgesprochen, und man musste daher,wie bereits erwähnt, die Dörfer Schiltigheim und Königshofen, die Locomotivs-Remisen (Rotunden ) und die Rl-Linie, einige ieste Gebäude der Ruprechts-(Roberts-) Au besetzen und vertheidigungsfähig machen.
Giengen diese verloren, so durfte man sich noch immer nicht bis in dieFestung zurückziehen. Ein System von Posten und Plänklerschwärmen musste,nach dem Beispiele der Russen bei Sebastopol, stets einige Hundert Schrittevordem bedeckten Weg durch das Terrain oder in Schützenlöchern gedecktliegen. Sie erweiterten den Gesichtskreis der Festung, erschwerten die Re-cognoscirungen, hinderten , indem sie bei Nacht ein continuirliches rasantesFeuer unterhielten, das Vorgehen mit der fliegenden Sappe und bildeten einenSchleier für die Ausfälle.
Griff der Feind diese Posten an, was nur zur Nachtzeit möglich war, soräumte man dieselben, nachdem man vom Gegner Opfer gefordert, um amMorgen wieder zu kommen, wie es die Russen gethan. Palrullen stossen nochüber diese eingenistete Vorpostenlinie hinaus, verrathen der Festungs-Artilleriedie feindlichen Arbeiten und verhindern das Recognosciren des Vorterrainsvon Seite der Ingenieur-Officiere. Der Feind wird dadurch unsicher und ver-liert Zeit in erschöpfenden nächtlichen Kämpfen.
Grosse Ausfälle sind verlustvoll, sie müssen daher entscheidend seinund dürfen nicht ohne ganz bestimmten Zweck unternommen werden.
An grossen Ausfällen kann man nicht leicht mehr als deren zwei machen:Einmal, um die feindlichen Geschütze zu zerstören, wenn die Vertheidigungs-Artillerie nicht mehr aulkomml; ein zweites Mal, wenn der eiserne Kreis desBelagerers bereits so eng gezogen ist, dass man fürchtet, erdrückt zu werden,daher den Gürtel gewaltsam sprengen muss. Diese Ausfälle müssen, da maneinen positiven, grossen Zweck verfolgt, mit allen disponiblen Truppen un-ternommen werden. In Strassburg wären dies etwa 15.000 Mann gewesen.Die guten Truppen gehen auf den eigentlichen Angriffspunkt vor, die minderendemonstriren und halten den Belagerer an bestimmten Orten fest.
Die sesshafte Nalionalgarde besetzt die Wälle. Die Artillerie hindertdas offene Anrücken der Reserven des Feindes, theilt dessen Kräfte inerster Linie, indem sie eine bestimmte Zone des Angriffsterrains derart unterFeuer nimmt, dass ein Passiren derselben, eine Verschiebung der Kräfte un-möglich wäre.
Ein entsprechender Moment für einen grossen Ausfall wäre z. B. ge-wesen, als der Feind die Batterien der zweiten Parallele armirte:
In der Nacht sammelte man die Truppen hinter der Lünette 44 undin der erwähnten Gegenparallele, während ein kräftiges Feuer von denWällen die Tranchee-Wache in den Gräben zurückhielt und ein Verrathendes Unternehmens durch zufälliges Geräusch verhinderte.
4000 Mann hätten zuerst vor dem Hornwerk 40—42 aufzumarschirenund auf die an die Saverner Strasse sich lehnenden Flügel der beiden