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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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VII. Betrachtungen über die Capitnlation.

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ausser dem Ausfälle am 2., gar Niehls. Und selbst an diesem Tage kamennur wenige zum Gefecht.

DieRecognoseirungen gegen Ostwald eie. hätte man sich sämmtliehersparen können.

Dass die Zusammensetzung der Besatzung auch bezüglich der Infan-terie eine ungenügende war, wurde bereits Anfangs erwähnt. Seitdem manaber in derZeit, welche Uhrich zur Ausbildung und Disciplinirung seinerTruppen hatle, feldtüchtige Armeen erstehen und ausrüsten sah, kannman sich der Ansicht nicht erwehren, dass die Schuld auf ihn zurückfällt,wenn ein Theil der Besatzung schliesslich noch nicht kriegstiiehtig gewe-sen wäre 1 ).

TII. Betrachtungen über die Capitnlation.

Nachdem wir als Resultat unserer kritischen Untersuchungen gefun-den haben, dass die an den Festungswerken angerichteten Schäden und diegeschossene Bresche ein Recht zur Capitulation nicht gaben, nachdemferner festgestellt wurde, dass auch nicht Mangel an Geschützen, Gewehrenoder Munition Schuld tragen konnte, so müssen wir noch nach den anderenFactoren fragen, welche das Ende einer Vertheidigung herbeiführen kön-nen, u. z.:

a) Der Vor rat h an Lebensmitteln.

In dieser Beziehung fehlte es nur an frischem Rindfleisch; doch hatleman noch Kühe und Hümmel für die Kranken, Pferdefleisch für die Gesun-den auf Monate; Mehl und Hiilsenfriichle waren in grosser Quantität vorräthig.

Mangel war nur an Milch (man hatte nur 26 Milchkühe) und aneinigen Arznei-Gegenständen. Die Hauptlebensmittel waren weder larifirtnoch rationirt.

b) Der Geist der Besatzung

war im Allgemeinen ein vorzüglicher. Die Mobilgarde, welche die Angriffs-front besetzt hatte, war trotz der empfindlichen Verluste, die sie erlitt, vombesten Geiste beseelt. Einzelne, die sich nicht fügen wollten, musste mandie Strenge der Kriegsgesetze fühlen lassen.

Das Gewehrfeuer war nie so heftig und für den Angreifer so verlust-reich als in den letzten Tagen, ein Beweis, dass die Leute auf den Wällenaushielten.

Viele Soldaten brauchte man nicht mehr: 3400 ausgesuchte Schützen,die sich freiwillig gemeldet hätten, und die Franctireurs zur Unterhaltung

*) Commandant der Angriffsfront war Oberst Blot, dessen grosse Tapferkeit undgewaltige Energie es aber doch, nicht vermochte, überall das Entsprechende zu leisten.