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und Welt. Und namentlich war es das Verdienst der Schelling-Hegelschen Schule, dass im Gegensätze zu der äusserlichen Ortho-doxie und zu dem ans der Kantischen Schule hervorgegangenenRationalismus die absolute Idee der Offenbarung tiefer erfasstwurde als die von Ewigkeit her durch die ganze Geschichte hin-durch gehende Manifestation des göttlichen Geistes und dass dieMenschwerdung Gottes als der Mittelpunct der Geschichte be-trachtet wurde. — In der Schule Hegel’s traten zwei Richtungenhervor. — Man unterschied eine rechte und eine linke Seiteder Ilegel’schen Schule. An die erste Richtung schlossen sichviele von unseren geistreichsten Theologen der neueren Zeit an. —So sehr nun die rechte Seite der Hegel’schen Schule das Systemihres Meisters auf dem positiven Wege weiter fortzubilden bemühtwar, indem sie die Einseitigkeit einer Immanenz ohne Transscen-denz zu vermeiden suchte und durch Annahme eines transmun-danen Gottes über das System ihres Meisters hinausging*), sosehr trat die linke Seite, die sogenannte kritische Negation, auchgnostische genannt, auf, um die eigentlichen Consequenzen ausdem Hegel’schen System zu ziehen. — Hier wurde nun der
*) Schon hier zeigte sich das Bestreben, eine höhere Mitte, Aus-gleichung und Versöhnung zwischen Pantheismus und Deismus in demächten Theismus zu gewinnen, welches dann von Fichte dem Jüngeren,Weisse, Wirth, Carrière u. A. fortgesetzt wurde. Wenn Apelt in seinerReligionsphilosophie (S. 80 ff.) dieses Bestreben oder diesen Versuch fürmisslungen erklärt, weil man die Behauptung der Immanenz Gottes ent-weder auf sein Wesen (seine Substantialität) oder auf seine Wirksamkeit(Causalität) beziehen müsse, im ersten Falle aber Pantheismus, im letzterenden bekannten Gedanken der göttlichen Weltregierung, also in keinemFalle etwas Neues erhalte, so mag er in Beziehung auf manche hierhergehörige Forscher Recht haben. Jedenfalls aber wird Baader’s Vermitte-lung zwischen Pantheismus und Deismus von dieser Einwendung nichtgetroffen, da nach ihm die Substanz Gottes ewig unterschieden bleibt vonden geschaffenen und hiemit bedingten Substanzen. Ausserdem ist zwarallerdings der Gedanke der göttlichen Weltregierung nicht neu, sondernallbekannt. Die Frage ist nur, ob und wie die göttliche Weltregierungvom Deismus mit Consequenz gelehrt werden kann.