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St. Martin fort, ist der Mensch doch ein grosses Wesen. Er hatdie Macht, mit seinem Geiste und Herzen -wieder in den Urgrundzurückzukehren, der ihn gebildet liât, und er kann sich hier vonNeuem zum Ebenbilde Gottes erheben. Indem wir an dieserWiedergeburt arbeiten, bestärken wir uns in der schmerzlichenUeberzeugung von unserer Gesunkenheit und in der Gewissheitunserer ursprünglichen Erhabenheit über die äussere Ordnung.Wie hoch der Mensch in seiner ursprünglichen Bestimmung vonGott gestellt war, geht daraus hervor, dass er trotz seines Falles,indem er sich dem grössten Irrthume hingibt, doch noch ein Geistbleibt.
Ganz im Böhme’schen Sinne spricht sich St. Martin auchüber das Verhältnis der Natur zum Geiste aus. — „Alles, sagter, ist ewig in dem fundamentalen Grunde der Dinge, aber nichtim Schmerze und in jener furchtbaren Unordnung, die sich jetztin allen Theilen der Natur kund thut. Es gibt ohne Zweifel eineewige Natur, in der Alles regelmässiger, thätiger und lebendigerist als in der Natur, in welcher wir eingekerkert sind; und derstärkste Beweis, dass die gegenwärtige Natur nicht ewig ist, istder, dass sie leidet, und dass sie die Wohnung des Todes inallen Gestalten ist, während doch nichts ewig ist, als das Leben.Der menschliche Geist erscheint auch bei St. Martin, ganz wiebei Jacob Böhme zwischen Gott und die Natur gestellt, und zwarso dass in dem Maasse, als er in den Urgrund einkehrt, auchdie unter ihm stehende Natur mit dem ihm von Oben geschenktenLichte erleuchtet wird. — Es ist höchst interessant, von St. Martinda, wo er auf die Materie zu sprechen kömmt, Fragen berührtzu finden, die in gegenwärtiger Zeit als ein Hauptgegenstand dieAufmerksamkeit der Naturforscher und Philosophen in AnspruchNehmen. Wir sehen, dass sich hier St. Martin, ganz in BÖhme’-scher Weise, gegen jede Atomistik erklärt und der Natur ihrerichtige Stellung zum Geiste gibt. Nach St. Martin ist die Ma-terie nicht bis in’s Unendliche theilbar, denn sie ist ja an sichselbst träge und bewegungslos. Unendlich theilbar ist nur dieGrundlage ihrer Wirksamkeit, die spirituösen Kräfte, die manden Geist der Materie oder den Astral-Geist nennt. Diese Kräfte