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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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sich selbst hervorbringen lind niemals aufhören die Quelle desLebens zu sein.

Im Esprit des choses sagt St. Martin:Da in Gott Allesdurch die innigste, allgemeinste Wechselwirkung vereint ist, sovermag nichts, was in ihm ist (was Er selber ist), sich von ihmzu trennen. Jede Eigenschaft seines Wesens ist Inbegriff allerseiner Eigenschaften, und der Inbegriff Aller findet sich wiederin jeder einzelnen. Die Wunder seiner Erzeugung trennen sichnie von seinem zeugenden Mittelpunkte.

Die Emanation St. Martins ist also jedenfalls keine materielle,sie ist nicht ein wirkliches Aus- oder Herausfliessen der Geisteraus Gott, sie ist kein unmittelbares Hervorgehen aus der SubstanzGottes, kein Losgelöstwerden von ihr, sondern nur ein Gewirkt-werden aus den Kräften Gottes, und nicht bloss die SubstanzGottes, sondern auch die Kräfte Gottes werden durch jenes ge-wirkte Hervorgehen oder Gewirktwerden weder getheilt, noch ver-mindert, noch überhaupt verändert. Mit éinem Worte der Aus-druck Emanation ist hier ein blosses Wort, welches zur Bezeichnungeines Begriffes gewählt wird, welcher mit der eigentlichen Emana-tionsvorstellung nichts gemein und nichts zu thun hat. Zwarwird auch in der Vedantaphilosophie der Inder die Emanationder sinnlichen Wesen aus Gott (die geistigen werden in ihr nichtals Ausflüsse, sondern pantbeistisch geradezu als Theile Gottesangesehen) nicht anders gedacht als so, dass der schaffende Gottdurch jene Ausflüsse nichts verliert, nicht schwächer wird, undunverändert derselbe bleibt; aber die Ausflüsse sind doch sowidersinnig es sein mag wirkliche Ausflüsse, die nach einemnaturnothwendigen Gesetze erfolgen, die wieder in einer stetigenStufenfolge immer schwächer geworden zuletzt in Gott zurück-fliessen, ohne dass auch dadurch Gott verändert würde. AudiPhilo und die Neuplatoniker lehren die Emanation ( <xtv6qqoicc,exQor;) nicht anders, als so, dass die Quelle der Ausflüsse durchdieselben nicht vermindert oder sonst verändert werde, sondernunwandelbar dieselbe bleibe. Ja es fehlt nicht in den Schriftendieser und verwandter Schulen an Stellen, in welchen, wie H. Ritterzeigt, das Verhältniss zwischen dem Grunde und dem Begründeten