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den Blättern für höhere Wahrheit I, 262) beistimmen, welcherbehauptet, dass die spätere Kabbala (vielfach) nur ein entstellterSchatten der ursprünglichen und wahrhaftigen sei. Im gegen-wärtigen Falle wäre also die Lehre der ältesten und ächtenKabbala in die spätere hinübergerettet worden. Ueber die Schö-pfungslehre der Kabbala verbreitet sich J. Fr. v. Meyer in dereben angeführten Schrift I, 271 ff.
St. Martin fand offenbar kein adäquates Wort für seinenSchöpfungsbegriff und wählte daher diesen, um nicht in Gefahrzu kommen, einen noch ungeeigneteren zu gebrauchen. AuchBaader bediente sich früher hie und da (nicht für die Schöpfungüberhaupt, sondern für die der Geistwesen) des Ausdrucks Ema-nation, aber die Einsicht in das Unadäquate desselben trieb ihndazu, später sich des Ausdrucks Emission, und, weil dieser zuunbestimmt war, des Ausdrucks Spiration zu bedienen, wobei eroffenbar jene bekannte Stelle bei Moses im Auge hatte.
Leibniz befand sich unverkennbar in der gleichen Verlegen-heit, indem er für die Schöpfung seiner Monaden durch die Ur-monas den Ausdruck Effulguration (Coruscation) gebrauchte, dereben so wenig das genau und richtig ausdrückt, was er eigent-lich sagen wollte. Man weiss, dass auch Leibniz wegen diesesAusdrucks der Beschuldigung des Pantheismus nicht entging,dessen ganzes Philosophiren doch der entschiedenste, geistreichsteund grossartigste Feldzug gegen den Pantheismus gewesen ist,welchen die Welt auf dem Boden der freien Philosophie bis dahinerlebt hatte. Allerdings spricht sich St. Martin mit aller Ent-schiedenheit gegen die Lehre von der Schöpfung aus Nichts aus,und er bedient sich dabei sogar herber Ausdrücke, die seinemsonstigen milden Wesen nicht entsprechen. Wenn man nun jedeLehre, welche unter ausdrücklicher Anerkennung der absolutenPersönlichkeit Gottes die Schöpfung aus Nichts leugnet und somitdas gesammte Reich der Wesen aus der éinen Wesenheit Gottes(wenn auch als Kraftwirkungen) ableitet, Pantheismus nennen will,so sollte man wenigstens einsehen, dass diese Lehre (mag mansie auch Pantheismus schelten) jedenfalls darum nicht auf hörtTheismus zu sein, und dass also jedenfalls die Vereinerleiung