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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
Entstehung
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139
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aller Individuen gründen wollen. Allein ich kann mir so wenigmit meinem Willen eine mich bindende Autorität machen, alsüberhaupt einen Motor. Ich kann mir so wenig ein Gesetz alseinen Gesetzgeber oder Zeugen machen. Was kein einziger hat,haben alle zusammen auch nicht. Saint-Martin erklärt dahergeradezu, dass unmöglich ein Staat auf diese Art habe entstehenkönnen. Aber, fährt er fort, wenn er auch möglich wäre, sowäre er nicht berechtigt. Denn der Mensch darf anderen Menschenkeine Rechte übertragen, worüber er selber nicht disponiren kann,weil sie der höheren Hand (Gott) angehÖTen, die ihn leiten unddie alles für ihn thun muss. Die Quelle aller Autorität liegtalso in Gott, und offenbart sich zuerst in der Familie. DerMensch ist zum gesellschaftlichen Leben geboren und nicht blossseine physischen, sondern auch seine geistigen und moralischenBedürfnisse machen ihm die Gesellschaft unentbehrlich zur Er-reichung seiner Bestimmung. Die Familie ist das Vorbild vondem, was die politische Gesellschaft sein soll. In der Familiesind allezeit Wesen da, die geben und andere die empfangen, esfindet sich stets Superiorität und Abhängigkeit.

Wenn der Mensch durch seinen ersten Ursprung bestimmtwar, Herrscher zu sein und zu gebieten, welchen Begriff müssenwir uns dann von seiner Herrschaft in diesem ersten Zustandemachen und über welche Wesen soll seine Autorität statt gefun-den haben? Ueber seines Gleichen? Wir treffen aber in allem,was existirt und in allem, was wir mit unseren Gedanken fassenkönnen, kein Beispiel von einem solchen Gesetz an, vielmehrsagt uns alles, es könne keine Autorität geben als über Wesen,die weniger sind, und selbst das Wort Autorität schliesst noth-wendig in sich den Begriff des Höher- und Mehrseins.

Wäre demnach der Mensch in dem ersten Zustand geblie-ben, so hätte er nimmermehr über Menschen regiert, und diepolitische Gesellschaft würde nie für ihn existirt haben. Alsder Mensch jene Herrlichkeit verloren hatte, wurden ihm seineRechte nicht ganz genommen, sondern nur suspendirt und dasVermögen ist ihm geblieben, zu wirken und zu arbeiten, umdurch seine Bemühungen ihre erste Gültigkeit wieder zu erringen.