Buch 
12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
Entstehung
Seite
166
JPEG-Download
 

166

Wenn Saint-Martin durch Berufung auf das Sichtbarwerdenneuer Sterne und das Wiederverschwinden derselben (wie des imJahre 1572 in der Cassiopeia gesehenen, der anfangs so grosswar als der helle Stern der Leyer, nachher wie Sirius, und end-lich wie die Venus, nach und nach aber sein Licht wieder verlor,und verschwand ) beweisen will, dass jedenfalls wenigstens einigeFixsterne eine Bewegung haben, so hätte er nicht übersehen sollen,dass, wenn sich éin Stern bewegt, sich nothwendig alle Sternebewegen müäsen.

Der Mensch vermag also durch seine eigenen Kräfte sichbis zu dem Beweise des thätigen und unsichtbaren Urwesens zuerheben, von welchem die Welt ihr Dasein und ihre Gesetzeerhält, und zu erkennen, dass sein Wesen unvergänglich ist. Ausder in der Schrift: Irrthümer und Wahrheit, erwiesenen Verschieden-heit des geistigen Wesens des Menschen von seinem sinnlichenWesen folgt, dass unser Wille das Vermögen des Selbstanfangsin sieh trägt.

Selbsthandeln ist Selbstanfangen (Zeit- und Baumfrei). Hierinliegt der Cbaracter der Intelligenz im Unterschiede nicht blossvon der Materie, sondern auch von der nichtmateriellen Nicht-intelligenz. Die immaterielle Intelligenz kann auch im normalenZustande nicht naturlos sein, sondern muss eine nichtintelligenteNatur in sich haben, wenn schon das intelligente (active) Principüberwiegend ist, und bedarf einer nicht intelligenten immateriellenäussern Natur, um sich effectiv zu machen. Die im Textebemerkte essentielle Zweiheit (mit essentieller Vermischung zu-gleich) muss begriffen werden als Folge einer Einung (Vermischung)mit einer Natur, die keiner wahren Einung mit dem Geistmenschenfähig ist. Auch stellt Saint Martin in Irrthiimer und Wahrheitdiese zweite Natur (die verwesliche Materie) als widerstreitenddem Geistmenschen vor (obschon auch als Waffe gegen dengeistigen Widerstreit).

Indessen ist der Mensch, ungeachtet dieses unterscheidendenCharacters, in Bücksicht seiner physischen und sinnlichen Ideenin einer gänzlichen Abhängigkeit. Er besitzt zwar alle auf die