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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Jedes Werk des Menschen sollte ein wahres Desiderium sut(des Werkmeisters) in Andern zurücklassen, wie das von allenGotteswerken par excellence gilt. Aber wie selten ist es, dassman z. B. lieber mit dem Herrn Gelehrten, als mit seinem Buchumginge, z. B. unseren heutigen Herrn Moralisten, Aufklärern,Toleranzpredigern etc.

Der Mensch kann mit éinem Blicke den Abgrund über-sehen, in den er hinabgestiegen ist, weil ihm gerade soviele Kräftefehlen, als Sterne über seinem Haupte stehen.

Gewiss ! Der wahre Mensch Gottes fühlt mehr seine Schwächenund Grenzen, als dass er sich im Abgrund seinerpositiven KraftmitMond und Sonne bade. Er strebt und muss also noch nichthaben, stösst sich oft wundt an der Decke, die ihn umgibt, ander Schale, die ihn verschliesst, geschweige dass er sich immerimEmpyreum seiner Allseligkeit fühlte. Der Strahl, der ihm bis-weilen tief in sein Inneres wird, was er sei und was kein andererfür ihn sein solle? ist meistens nur Trostblick, nur Kelch derStärkung zu neuem Portstreben. Je unendlicher das Medium,die Weltseite, ist, für die er unmittelbar hinter seiner ErdscholleSinn hat, destomehr wird er Kraftlosigkeit, wüste Verbannungspüren und nach neuem Saft, nach höherem Auffluge und Voll-endung seines Werkes lechzen.

Je mehr sich der Mensch dem wahren Frieden wirklichnähert, desto mehr wird er von Zeit zu Zeit innere Unruhenerfahren. Ich kann genau die Epochen meines ( intellectuellenund moralischen) Wachsthums nach jenen Aufhaltungen, vondenen der Verfasser spricht, in meinem Innern angeben. Sie sindwas die trübende Gährung eh der lautere Wein zum Vorscheinkommt, oder wie Nachtschauerkampf vor dem Anbruche der Morgen-dämmerung. Das Symbol des Fortschrittes unserer Vervollkomm-nung ist darum nicht die gerade Linie, sondern die spirale, wieauch unser Gang nur ein wechselweises Fallen ist.

Wer immer nur um mehr und mehr Weisheit bittet, weissnicht was er thut. Verlange nur jedesmal so viel, als dir zurZeit erträglich ist; mehr fordern ist Thorheit und Sünde, undmehr erhalten Strafe 1