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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Wie der Mensch ein Gedanke Gottes, so ist jeder Menschen-gedanke selbst Menschengestalt. Die Zeichen (Hüllen), die derMensch seinen eigenen Gedanken einsenkt, sind selbst Menschen-gestalten im Kleinen, also wahre Erscheinungen. Der Menschwill doch nur Bilder von sich produciren. Alle Manifestationgeschieht durch Gleichniss. Der Gedanke kann nur mittelstdes immateriellen Zeichens (oder des primitiven Materiellen) indie secundäre Materie gehen. Alles Ausgesprochene ist sicht-bar, Schrift.

Um wirklich abgöttisch zu sein, muss man nicht nur an-fangs ein göttliches Wesen erkennen, sondern man muss es auchso gekannt haben, dass man weiss, dass ihm ein rechtmässigerund reiner Dienst gebühre.

Verkennen setzt Kennen voraus, nicht Nichtkennen, also An-erkennenspflicht. Jede Erniedrigung eines (höheren) Wesens istverknüpft mit usurpirter Erhöhung des wirklich niedrigeren. Wieaber der legitime Dienst erhebt (befreit), so erniedrigt (fesselt) derillegitime.

Der Mensch ist abgöttisch geworden nicht indem er sinn-liche Gegenstände vergötterte, sondern mehr dadurch, dass er sichselbst materialisirte.

Um also über alle Abgötterei sich wieder zu erheben, musssich der Mensch wieder spiritualisiren.

Da der Mensch ein thätiges Wesen ist, so hat er nöthig(zu Gott) zu beten.

Beten ist Wirken, weil Sprechen. Durch das Gebet wirdder Mensch Mitwirker mit Gott. Mit activen Wesen kann mannur durch Acte in Gemeinschaft treten.

Die jetzigen Menschen gemessen jener grossen Hilfe wenigerallgemein als im Anfang und sind hierin strafbarer, weil jeneZeichen und Sinnbilder noch immer in ihrer Macht und Willkürstehen; überdiess wenn sie auch heutzutage derselben geniessen,so sind sie der Realität so sehr nah, dass sie darüber die Figurenganz vergessen.

Wie man die Schriftzeichen und Töne minder beachtet, jefertiger man liest oder versteht. Wer aber den Sinn nicht ver-