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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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In dem Leben verzehrt dich der Geist, im Tod die Natur drauf!Jener verzehret den Kern, dieser die Schale von dir.

Geist und Natur wären hiernach nichts als von unstillbaremHunger geplagte, verzehrende, fressende, vertilgende Mächte undproducirt würde da nur, damit immer fort verzehrt und vernichtetwerden kann.

»Was ist der Tod? nicht Tod, nur die Handlung, wo du die KroneUnd den Scepter ablegst, die du im Leben geführt.

Der Tod wäre also nicht der Tod, sondern was denn? DasLeben eines Andern, und das Leben wäre dann consequenterweisenicht das Leben, sondern der Tod Anderer. Der Tod wäre danur der Beweis, dass das Leben nur beginnender und allmäligheranwachsender Tod wäre. Dieser Gedanke ist nur die Caricaturdes wahrhaften Lebensprocesses, der im Beharrlichen zugleichWechsel verlangt, aber auch, was übersehen ist, im Wechsel einBeharrliches. Doch sie sagen, das Beharrliche ist nicht über-sehen , es gibt ein Beharrliches , aber dieses Beharrliche ist daseine, alles umfassende und alles seiende Sein, Materie, Natur,Leben, Geist, wie ihr es nennen wollt. Beim Lichte besehenist dieses Eine aber nur ein AbstractUm, ein Gedankending, keinwahrhaft wirkliches Sein, kein Seiendes, kein wirkliches Leben,kein wahrhaft seiner selbst mächtiger und bewusster Geist.Magische Reize allein verleihet dem Leben der MenschenEinzig Vergänglichkeit nur: Königin ist sie der Welt.

Der Melancholiscbgewordene verliebt sich in seine eigenenTrauergedanken und findet einen magischen Reiz und Genuss imHegen und Pflegen seiner eingebildeten Leiden. Das kranke Ge-müth kann sogar die Vernichtung wünschen. Das gesunde freutsich des Daseins und der aus dem Glauben an die Liebe Gottesvon selbst fliessenden Ueberzeugung von der ewigen Fortdauerdes individuellen Geistes. Die Vergänglichkeit des Irdischen be-weiset so wenig die Vergänglichkeit des individuellen Geistes,dass vielmehr der Geist diese Vergänglichkeit des Irdischen garnicht bemerken könnte, wenn er selber vergänglich wäre, und dassvielmehr eben dieses Bemerken der Vergänglichkeit des Irdischen