216
ihm seine eigene Unvergänglichkeit beweiset und ihn überdiessbelehrt, dass er in dieser vergänglichen Welt nicht in seinerHeimath ist, und auffordert, seine wahre Heimath zu suchen. Indieser Heimath wird es aber freilich ganz anders zugehen, alsFeuerbach wähnt, dass die christliche Lehre es dort zugehen lasse.Mag die geistlose Vorstellung schlecht unterrichteter Christenoder auch die dumme Auffassung manches Pfaffen von Feuer-bachs übrigens stark burschikosen Verhöhnungen getroffen werden,wenn er das himmlische Jenseits eine ewige Kirchweih’ (wie ebenviele Kirchweihfeste sind) nennt, und dort nichts zu thun findet,als die Frucht zu schmausen, die auf der Erde gereift ist etc.;die christliche Lehre selbst wird von solchen schiefen Vorstel-lungen entfernt nicht berührt. Sie weiss nichts von einemSchlaraffenleben im Himmel, sondern vielmehr von einem Auf-hören der Unganzheit, der Gebrochenheit und Gebrechlichkeit desLebens und einem Beginne der Ganzheit, Vollbeit, Vollkommen-heit und Vollendung des Lebens, was so wenig auf ein Nichts-thun hinauslaufen kann, dass es vielmehr volles und ganzes Thunbezeichnet.
„Leben begehre vom Tod nicht; eins nur ersehn’ und erstrebe,Dass der Edle noch einst deiner mit Liebe gedenkt.“
Wer begehrt denn Leben vom Tod als eben Feuerbach undSeinesgleichen? Freilich nur ein Leben, das im Grunde keinesist, weil es immer im Tode wieder untergeht, so wie es nur ausdem Tode hervorging. Die Feuerbach’sche Philosophie ist dasSystem der Identität des Todes und des Lebens. Wenn in einemsolchen System von sittlichem Streben, edlem Sinne, Liebe, Dank-barkeit, Verehrung etc. die Rede ist, so sind das Kunstblumen,nicht wirkliche, lebensfrische, duftige. Was wirkliches Lebennicht hat, ist genöthigt, den Schein des Lebens hervorzubringenund zeugt dadurch doch für das Leben. Feuerbach curirt alleNoth und Erkrankung des geistigen Lebens mit der Universal-medicin der Vernichtung der Individualität im Tode, ganz wiein dem bekannten Bänkelsängerlied Doctor Eisenbart seine Patien-ten von ihren körperlichen Leiden durch den leiblichen Tod curirt.