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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Wie hoch steht Angelus Silesius über dem dünkelhaften Feuer-bach in allen jenen Sinnsprüchen, in welchen er über Tod undLeben, über Zeit und Ewigkeit sich auslässt. Des Contrasteswegen setze ich einige Sprüche des Angelus Silesius her:

Mensch, wo du deinen Geist schwingst über Ort und Zeit,

So kannst du jeden Blick sein in der Ewigkeit.

Ich selbst bin Ewigkeit, wenn ich die Zeit verlasse,

Und mich in Gott und Gott in mich zusammenfasse.

Indem der weise Mann zu tausendmalen stirbt,

Er durch die Wahrheit selbst um tausend Leben wirbt.

Der Tod, aus welchem nicht ein neues Leben blühet,

Der ists, den meine Seel aus allen Töden fliehet.

Ich glaube keinen Tod: sterb ich auch alle Stunden,

So hab ich jedesmal ein besser Leben funden.

Ich sterb und lebe Gott. Will ich ihm ewig leben,

So muss ich ewig auch für Ihn den Geist aufgeben.

Wenn du gestorben bist und Gott dein Leben worden,

So trittst erst recht du in der hohen Götter Orden.

Weil die Geschöpfe gar in Gottes Wort bestehn:

Wie können sie denn je zerwerden und vergehn?

Mensch, werde wesentlich: denn wenn die Welt vergeht,

So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

Schau, diese Welt vergeht. Was? sie vergeht auch nicht.

Es ist nur Finsterniss, was Gott an ihr zerbricht.

Bei Gott ist ewge Lust, beim Teufel ewge Pein:

Ach Sünder ! denke doch, bei welchem du wirst sein.

Zwei Augen hat die Seel': eins schauet in die Zeit,

Das andre richtet sich hin in die Ewigkeit.

Der Tod bewegt mich nicht: ich komme nur durch ihn,

Wo ich schon nach dem Geist mit dem Gemüthe bin.