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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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weilen dein Ohr (o Mensch!) übertäuben können, so dass es dieStimmen deiner Schmerzen nicht mehr vernahm, aber es hat nichtvermocht, die Ursachen dieser Schmerzen hinwegzunehmen; eshat sie selbst nicht einmal gelindert. Du leidest, lind wer kannsich ohne zu schaudern den ganzen Umfang deiner Leiden den-ken ! Alle deine Glieder sind zerbrochen, deine Säfte vergiftetund verdorben, jeder Theil deines Wesens ist eine offene Wunde,in welcher heisse Schmerzen toben. Gross war deine ursprüng-liche Erhebung, ein Spiegel und Ebenbild deines Gottes, gewür-diget seiner unmittelbaren Nähe 1 Wenn du nicht von einersolchen Höhe herabgestürzt wärest, wie könntest du dich beideinem Falle so fürchterlich zerschmettert haben ! Aber diesesbejammernswerthe Unglück widerfuhr dir unter den Augen deinerMutter; du warst in ihrer Nähe, wohntest in ihrem Hause. Siesah dich herabstürzen und in demselben Augenblicke bewegtesich ihr Herz, sank (freiwillig und ohne zu fallen) dir nach, umdie Gewaltsamkeit des jähen Sturzes zu lindern. Da sie diefürchterlichen Wunden erblickte, welche du dir geschlagen, kannteihre Zärtlichkeit keine Grenzen mehr, ihre Liebe vermochte sichnicht mehr zu halten, und sie fühlte kein anderes Streben mehr,als dir dein Leben wieder zu geben, dein ganzes Wesen wiederzu heilen. Ihre Liebe, vorhin heiter und ruhig, wurde jetzt in-niger Eifer, und als du bei deinem gewaltsamen Fall ihr Eben-bild, das du an dir trägst, und das der Quell deines Lebens war,zerstört hattest, konnte sie, diese Mutter voll der erhabenstenZärtlichkeit, weniger thun, als die irdischen Mütter und ihre Kinderthun? Nein, auch sie versammelte in ihrem Herzen alle wieder-belebenden, heilenden Gedanken, auch sie vermochte ihrem Ver-langen nicht Einhalt zu thun, dass es nicht zu ihrem Trost ihrdas Bildniss ihres eigenen Wesens, das du ferner nun nicht mehran dir trägst, und das der Gegenstand ihrer Liebe war, sichselbst wieder darstellte, und wieder erneute; aber dieses Verlangendes höchsten Schöpfers, unendlich lebendiger und wirksamer alsdas des Menschen, konnte in ihm nicht entstehen, ohne dass nichtzu gleicher Zeit jenes Ebenbild nach dem ganzen Element, nachallen Verhältnissen seines ersten Daseins wirklich entstanden