305
neuem die Vollkommenheit besitzen wird, welche der unserigenabgeht. Auch zwischen uns und der künstlichen Musik gibt esein Medium : unsere Stimme und unsere Instrumente. DieseMusik hängt ihrer Dauer nach ganz von unserer Willkür ab undist sehr mangelhaft. Dennoch aber, da sie uns zu Gebote steht,wann wir wollen, und wir uns, um sie hervorzubringen, der Luftbedienen, jenes Meeres, in welchem alle höheren Lebenseinflüssesich bewegen, so kann uns eben diese künstliche Musik ein wirk-sames Wiedervereinigungsmittel mit den Regionen werden, ausdenen wir uns selber abgeschieden haben. Ein Mensch ist ein-sam, die tiefste Stille rings um ihn her, die Musik und selbst dieEigenschaft der Luft, zu tönen, sind für ihn nicht vorhanden.Jetzt aber ergreift er seine Laute oder beginnt zu singen, undsiehe, ohne dass er seinen Platz zu verlassen brauchte, entfaltetsich rings um ihn der ganze Reichthum der Atmosphäre an leben-digen seelenvollen Tönen, alle Schätze ihrer Harmonie, die magi-sche Gewalt ihrer Accorde , die durchdringende Macht der Melo-dien , und sein eigenes Wesen spricht in ihnen seine tiefsten
Gefühle aus. Wenn sich so sein Gemüth mit den musikalischenKräften, diese wieder mit seinem Gemüth innig vereinen, vermager sich mit jener reinen höheren Region, an welche die Musikangrenzt, in Berührung zu setzen, und durch dieses Zwischen-glied sein Wesen nicht nur bis zur Region des Göttlichen zu
erheben, sondern diese auch wieder zu sich herab zu ziehen, sieübt seinem ganzen Wesen zu umfangen. Um ihm auf eine phy-sische Weise zu zeigen, wie allgemein, überall vorhanden, jeneKegion des Göttlichen sei, ist ihm die Anwendung dieses Mittels,die Uebung dieses Cultus, der ihn von neuem mit seinem Principbereinigt, zu einem so freien Gebrauch gegeben, dass er sich
seiner überall und in jedem Augenblicke bedienen kann. Damit
a ber die Musik diese erhabene und heilsame Wirkung hervor-z ubringen vermöge, muss der Mensch mit ihr den reinen Geistseines Wortes vereinen; denn die Luft ist verunreinigt, so wieganze übrige Natur und ein unreines Wort würde sie nurb°ch mehr verunreinigen. Wenn sie aber durch den reinen Geistdes Wortes gereinigt wird, dann vermag die Musik jenes leben-Baaaer’s Werke, XII. Bd. 20