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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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XXXIX
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XXXIX

Nach Hegel ist nun die Vernunft selbst das Substantielleoder Reelle, das alle Bestimmungen in sich zusammen hält. DasDenken in seinen immanenten Bcstimmungeu und die wahrhafteNatur der Dinge sind eines und dasselbe. Das absolute Wissen istdie Wahrheit aller Weisen des Bewusstseins, worin die Wahrheitder Gewissheit und die Gewissheit der Wahrheit gleich gewordenist. Die reine Wissenschaft enthält somit den Gedanken, inso-fern er ebensosehr die Sache an sich selbst, oder die Sache

an sich selbst, insofern sie ebensosehr der reine Gedanke ist.Ras an sich Seiende ist somit Begriff und der Begriff das an

sich Seiende. Die Logik ist sonach das System der reinen Ver-

nunft, das Reich des reinen Gedankens, die Wahrheit selbst, wiesie ohne Hülle an und für sieh selbst ist, die Darstellung Got-tes, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der

Natur und eines endlichen Geistes ist. Nur in seinem Begriffehat etwas Wirklichkeit. Die Denkbestimmungen sind nicht blossFormen des selbstbewussten Denkens, sondern auch des gegen-ständlichen Verstandes*).

Die Methode der reinen Wissenschaft ist das Bewusstseinüber die Form der inneren Selbstbewegung der Wissenschaft.Fs kommt hier Alles auf die Erkeuntniss an, dass das Negativeebenso sehr positiv ist, oder dass das sich Widersprechende sichuicht in Null, in das abstracte Nichts auflöst, sondern wesentlichuur in die Negation seines besonderen Inhalts, dass eine solcheNegation nicht alle Negation, sondern die Negation der bestimm-en Sache, die sich auflöst, somit bestimmte Negation ist, dassalso im Resultat wesentlich das enthalten ist, woraus es resul-üi't. In diesem Dialektischen und damit in dem Fassen des Ent-gegengesetzten in seiner Einheit oder des Positiven im NegativenBesteht das Speculative **). ,

*> Hegels Werlte III, 33, 35, 37.

**) Hegels Werke IH, 41, 43, 44. Hegel verwechselt hier die Ver-unbarkeit des Unterschiedenen mit jener des Widersprechenden und fülltdadurch unvermeidlich der Sophistik anheim, gegen welche schon Sokrn-tes , Platon und Aristoteles durch Vertheidigung des Satzes von der Un-vereinbarkeit des contradictorisch Widersprechenden ein unerschütterliches