XL VIII
Da Kant im Grunde doch selbst die Voraussetzung machtoder im guten Glauben sich an die Forschung begibt, dass dieWahrheit sei und dass nicht alle Wahrheit unerkennbar undunerreichbar sein könne, weil er sonst sieh auch keinen Erfolgvon seiner Untersuchung über das Vermögen der Vernunft hätteversprechen können, so kann das trostlose Ergehn iss seiner Un-tersuchung nur auf Mangel an Tiefe, Scharfsinn und Gründlichkeitdes Forschens beruhen. Kant hisst sich gleich von vornhereineine Inconsequenz zu Schulden kommen, inwiefern es sich wider-spricht, dem intelligenten Wesen die Fähigkeit zur Erkenntnissauch nur einer einzigen Wahrheit zuzugestehen, ohne ihm dieFähigkeit zur Erkenntniss aller Wahrheiten zuzugestehen, weilvermöge des Zusammenhangs aller Wahrheiten auch nicht eineeinzelne erkennbar sein könnte, wenn nicht alle erkennbar wären.Der Charakter der Kantischen Erkenntnisslelire kann nur als derder Entzweiung und des inneren Selbstwiderspruchs bezeichnetwerden, da er zwei Erkenntnissquelien statuirt (wenn man Ver-standes- und Sinneskenntniss Erkenntniss nennen darf), den Ver-stand und den Sinn, die er als Momente der Einheit des erken-nenden Geistes nicht zu begreifen weiss. Wie bei ihm Spon-taneität und Iieceptivität, Verstand (oder Vernunft) und Sinn,Apriorisches und Aposteriorisches völlig geschieden auseinandergerissen sind, so unvermeidlich alsdann auch Inhalt und Form,Stoff und Gestalt der Erkenntniss *). Auf diesem Wege konntedaher die Wissenschaft der Logik nicht zu der ihr angemessenenGestaltung gelangen.
J. G. Fichte unterschied zwischen dem Buchstaben und demGeiste der Kantischen Philosophie. Nach jenem betrachtet konnteer den Dualismus, den Mangel an Einheit in ihr nicht verkennen.
Macht auf sich wirken liess, als dass er nach kurzem, doch nie völligemund auf den Grund gehendem Ergriffensein mit urkräftigen Flngelschliigendes Geistes sich himmelweit über ihn erhol). Vergl. den lltenBand dieserGcsammlausgabe der Werke Baaders. Anhang: Vorläufiger Bericht überKants Umgestaltung der Metaphysik von Prof. v. Schaden. S. 405—434.
*) Vergl. Die trefflichen Bemerkungen Troxlers in seiner Logik, III,152 — 160 und 164-67.