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und des Inhaltes so gut verwirklicht, als in dem unendlichenErkennen, nur mit dem Unterschiede, dass im unendlichen Er-kennen jene Identität eine absolute, ursprüngliche und im Wesenzusammengcschlossene, im endlichen Erkennen dagegen nur einebedingte, mitgetheiltc und nur im Bilde zusammengeschlosseuegenannt werden muss. Dann die endliche Intelligenz producirtsich die Wahrheit der Erkenntniss nicht selbst *), sondern empfängtsie zur Nachbildung in sich Von dem, der die Wahrheit selbstist und der sich selbst hervorbringend die Wahrheit hervorbringt,ausser welcher keine Wahrheit ist. Der Unterschied der gött-lichen Selbstanschauung von der Anschauung des intelligentenGeschöpfs kann daher auch so ausgedrückt werden, dass mansagt: Gott hebt seine Selhstanschauung (mittelst des Begriffs imSohn) zum völligen Vonsichselbstdurchschautseiu auf, das intelli-gente Geschöpf aber vermag die sein Erkennen begründendeAnschauung nicht wieder aufzubeben. So wenig aber ist dasabsolute Selbstwissen und Selbstschauen Gottes, wie das vollen-dete Wahrheit-Wissen und Wahrheit-Schauen des intelligentenGeschöpfs darum weil es nicht ein zeitlich abstractes, unganzes,stückweise zum Bewusstsein gebrachtes, im Zwang und in derNoth der erfülltseinwollenden Denkgesetze zu Stande gebrachtesErkennen ist, ein gesetz- nnd formloses, dass vielmehr geradenur dies absolute Erkennen die wahrhafte, absolute Form besitzt,so wie das vollendete Erkennen des endlichen Geistes im Nach-bilde der entsprechenden Form theilhaftig ist. Es ist ein Fun-
*) Der Aposteriorismus oder Empirismus hat daher in der wahrenWissenschaft einen eben so grossen Werth, als der Apriorismus und nurbeide in ihrer Vermittelung geben die wahre und ganze Wissenschaft.Der Empirismus ist aber nicht auf die Sinnenwelt eingeschränkt, sondernerstreckt sich auch auf das Geistige, Uebersinnliche und selbst auf Gott.Den Sinnenwellvcrnehmnngsorganen entspricht der Vernunftsinn als geistigesOrgan des Vernehmens Gottes und des Göttlichen. Dass ein Schopen-hauer gegen Jacobi wüthet, weil er gewagt hat, wenn gleich nicht invöllig klarer und angemessener Weise, von diesem Geistessinn zu sprechen,thut nichts zur Sache, Wie könnte der Naturalist anders, als sich dasGeistesauge absprechen, welches er sich zugebunden hält ?