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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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LXVII
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LXVII

Diese Stelle ist sehr merkwürdig, da sie den Zerfall derWissenschaft und des Glaubens charakteristisch darstellt, wie erauch in der Gegenwart bei der grossen Mehrheit der Gebildetenangetroffen wird. Nicht sehr viele Forscher sind über Lichten-bergs Spinozismus hinaus (viele, wie Feuerbach, Vogt u. A. unterihn herab) gekommen, und nicht sehr viele Theologen wissenbesser als Lavater dem Spinozismus Rede zu stehen. Zwar dieHerbartianer glauben mit ihrem Meister über den Spinozismusund Hegelianismus hinausgekommen zu sein. Allein sie mögenes sich gesagt sein lassen, dass man, gleichwie Jacobi sagte, derunablässige Forscher werde von Leibniz wieder zu Spinoza zu-rückgeführt, ebenso berechtigt ist zu sagen, dass dev unablässigeForscher von Herbart wieder zu Hegel zurückgeführt werde, undman kann hier nichts zugeben, als dass man allerdings ebensovon Spinoza und Hegel wieder auf Leibniz und Herbart zurück-geworfen werde. Diesem gegenseitigen Zurückgeworfenwerdenvom Pantheismus zum Monadologismus wird mau nur durch Er-hebung zu dem Standpuncte Baaders gründlich entgehen.

Durch das Gesagte hofft nun der Herausgeber wenigstenssoviel zu erreichen, dass endlich in den weiteren Kreisen dergelehrten und w'ahrhcitforschenden Welt erkannt werde, was bis-her nur von Wenigen erkannt war, dass gleichwie überhaupt dieLehre Baaders eine eigenthümliche Gestalt der Philosophie dar-stellt, also auch seine philosophische Erkenntnisswissenschaft trotzvieler Berührungspuncte mit den neueren System der Philosophieein eigenthümlichcr Lösungsversuch der Probleme der speculativenLogik ist *). Dabei kann es nicht leicht dem Unbefangenen

*) Leute, die ganz unfähig sind, eine solche Geistesgrösse zu fassen,massen sich fort und fort das Recht an, über Baader und seine Leistungendas grosse Wort zu führen. Hatte H. Dr. Gumposch schon in seiner Fort-setzung des Rixnerschen Handbuches der Geschichte der Philosophieseine Unfähigkeit, die Bedeutung Baaders zu fassen und zu beurtheilen,zur Schau gestellt, so tritt dieselbe wo möglich noch auffallender inseiner' philosophischen Literatur der Deutschen von 1400 bis auf unsereTage (Regensburg, Manz, 1851) an das Licht. Schon in Rücksicht desbiographischen und des Verzeichnisses seiner Schriften verfährt Gumposchso leichtfertig, dass er unserem Philosophen den Director der phiioso-