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dabei doch stets nach Vorwärts gewendet und es ist bewun-derungswürdig, mit welcher Stärke und Frische des Geistes erbis zu den letzten Lebenstagen sich mit den wichtigsten Pro-blemen der Forschung beschäftigte und mit welchem lebendigenInteresse er die Zeitbewegungen verfolgte und zu deuten suchte.Besonders sind es die Briefe seiner letzten Lebenstage, aus denendie ungeschwächte Kraft seines starken Geistes so wie der tiefeGlaube seiner religiösen Ueberzeugungen hervorleuchtet. Nurwar es diesem genialen Geiste nicht gegeben, etwas zum Ab-schluss zu bringen und so Bedeutendes er auch bei noch längeremLeben noch geleistet haben würde, so ist doch mit Gewissheitanzunehmen, dass er nie eine systematische Gesammtdarstellungseiner Lehre gegeben haben würde, oder dass er nie auch nureine einzelne philosophische Wissenschaft vollständig ausgebildethätte. Nichtsdestoweniger wird die Wissenschaft aus den Lei-stungen unseres Philosophen grösseren Gewinn ziehen, als auseiner Legion wohlausparagraphirter und in ansprechender Formgeschriebener Systeme der Logik und der gesammten Philosophie.
nur Wenige die Mystiker genauer kannten, als Baader, aber unrichtig ist,dass er kein bedeutendes Wort über sie gesagt habe, wenn es gleichrichtig ist, dass er unendlich mehr von ihnen und über sie wusste, als ergesagt hat. Daran war aber noch mehr als seine Eigenthümlichkeit dieUnempfänglichkeit seiner Zeit schuld. Jahrzehnte lang beabsichtigte ereinen vollständigen Commentar zu den Schriften Böhme’s zu schreiben,allein der Mangel eipes Verlegers war schuld daran, dass dieser Com-mentar nur theilweise vollendet wurde. Wäre aber dieses Werk recht-zeitig zu Stande gekommen, so würde Baader unfehlbar uns auch dieübrigen Mystiker oder doch die bedeutendsten in jener geistsprühenden,grandiosen und tiefsinnigen W'eise vorgeführt haben, in welcher er einzigin seiner Art ist.