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Verstände, wie der Heiligkeit Gottes widerstreitet, so muss an-genommen werden, dass Gott dem Menschen mit dem Selbst-bewusstsein zugleich das Bewusstsein Seiner gegeben hat, undnicht später. In den Erklärungen Jacobi’s gegen die Möglich-keit und Gültigkeit von Beweisen für das Dasein Gottes ist mehrWahrheit, Scharfsinn und Consequenz enthalten, als die meistenseiner Beurtheiler sich einbilden. Er erkannte, was schon Kantgezeigt hatte, dass alle die angeblichen Beweise Cirkelbeweiseseien und das schon voraussetzten, was sie beweisen wollen. Erunterschied sich von seinen Gegnern nur dadurch, dass er mitBewusstsein voraussetzte, was sie ohne es zu merken voraus-setzten. „Alle Menschen, sagt er, nennen Etwas inwendig undim voraus Wahrheit, in deren Besitz sie noch nicht sind, wor-nach sie streben, und welches sie dennoch nicht voraussetzenkönnen, ohne dass es ihnen auf irgend eine Weise gegenwärtigwäre. (Jacobi’s Werke IV, XIX.)“ Niemals wird der wahrenAVissenschaft Zweck und Absicht sein, Gott zu verlieren, sondernsie suchet ihn und will ihn finden, mit der ursprünglich mensch-lichen, vernünftigen, durch überirdischen Zug gebotenen Voraus-setzung: das Wahre sei allein in Gott und bei Gott. (Ibid. XXVI.)„Jeder Mensch setzt kraft seiner Vernunft ein an sich AA r ahres,Gutes und Schönes nothwendig voraus und mit dieser Voraus-setzung und durch sie wird er erst zum Menschen (Jacobi’sWerke IT, 20.). Die Vernunft ist das Vermögen der Voraus-setzung des an sich AVahren, Guten und Schönen, mit der vollenZuversicht zu der objectiven Gültigkeit dieser Voraussetzung.“(Ibid. S. 11.) Alles Verstandeswissen ist nach Jacobi ein AVissenaus zweiter Hand, welches ein Vermmftwissen als Wissen auserster Hand voraussetzt. (Ibid. S. 4.) Hätte Jacobi nur auchfcstgehalten, dass dieses Vermmftwissen in That und AVahrheitauch ein AVissen ist und nicht ein blosses auf Gefühl beruhendesGlauben, ein Wissen, wodurch das vermittelte, das sccundäre oderVerstandeswissen nicht überflüssig, sondern vielmehr erst möglichgemacht ist und in ihm seine Bestätigung, Ausbreitung und Voll-endung erhalten muss! Günther hat allerdings erwiesen, dass,wie er sich ausdrückt, das Wissen um das eigene Sein nach dem