Buch 
1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
Entstehung
Seite
389
JPEG-Download
 

389

sie nur immer tiefer in Mystificationen über beide cinfiihren undverführen. Eine Verführung und Verwirrung, welche übrigensmit der Verwirrung der religiösen und bürgerlichen Societätunserer Zeit enger zusammenhängt, als man meint. SachkundigeLeser werden sich aber auch aus diesen meinen Schritten über-zeugen, dass die von mir eingeschlagene Weise, über Natur undGeist zu philosophiren, zwar an jene der altern und ältestenNaturweisen erinnert, dass sie sich aber zu sehr von der soge-nannten neuen deutschen Naturphilosophie unterscheidet, um jenesMissverständni8s und Unverstüudniss zu entschuldigen, welcheserstere mit letzterer oft genug vermengte. *)

Schwabing bei München den 15. August 1830.

*) Nicht bloss hatte Baader seinen naturphilosophischen Dynamismusnicht erst von Schelling empfangen, sondern derselbe ruhte bei unseremTiefdenker auch auf einer wesentlich verschiedenen (iheistischcn) Welt-anschauung überhaupt und zunächst auf dein Grunde einer religiösenNaturphilosophie, von deren Tiefen Schelling in jener F.pocho seines Ilii-losophirens keino Ahnung hatte, und in die er auch späterhin nicht weitgenug eingedrungen ist. Nachdem Baader lange Zeit zugesehen hatte,wie die gelehrte Welt die tiefgreifenden Trennungspunctc seiner Natur-philosophie mit jener Schellings nicht von den Berülirungspunclcn zuunterscheiden wusste, gab er in der obigen Stelle der hierhergesetztenVorrede eine ganz bestimmte und unzweideutige Erklärung ah. Dioshinderte aber unsere »gründlichen Geschichtschreiber der Philosophienicht, nach wie vor unseren Denker unter die Zahl der Schellingianereinzurcgistrircn und glücklich unterzubringen. Man vergleiche in dieserKiicksicht nur die Acusserungen von Krug, E. Reinhold, Stichelet, llagen-bach, Rosenkranz, Ncudecker u. A,, indess allerdings Andere, wie J. II.Fichte, C. Pli. Fischer, Krcuzliage, Slarheinckc, Varnhagen von Ense,Biedermann, Sengler richtiger urlheiltcn. Am richtigsten könnte Schellingseihst über Baaders Ycrhältniss zu ihm Aufklärung geben. Worüber sichaber auch Schelling dabei gegen Baader beklagen möchte, nie wird esihm diesen von ihm hochgestellten Denker unter seine Schüler, wären esauch die bedeutendsten, zu zählen einfallcn, so wie er ihn in seinenSchrillen hei jeder Gelegenheit als einen ebenbürtigen Geist von unab-hängiger Richtung nuszeichnete und deutlich genug zu erkennen gibt, dassdessen geniale Ideen einen nicht unbedeutenden Einiluss auf sein Philo-sophiicn geübt haben. Das Nähere dieses ewig denkwürdigen Verhält-nisses zweier der genialsten Denker Deutschlands und der Welt mögeman aus des Herausgebers grösserer Vorrede zur zweiten Ausgabe derkleinen Schriften Baaders ersehen. 11.