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sicher nicht damit, dass er sich lediglich inner seiner Frage hält,in diese sich zuriiekzieht oder verschliesst, um inner ihr bleibendlediglich von ihr selber die Antwort zu erhalten, wie doch Hegelbehauptet, wenn er sagt, dass der abstracto, leere Gedanke sichselber erfülle *), wobei zwischen dem ohjectiven Gedanken unddem subjcctiven jener Unterschied von Hegel nicht gemacht wird,der hätte gemacht werden sollen, und wäre es auch nur um dasMissverständnis zu vermeiden, als ob hier behauptet würde, dassdie Leerung eines Sackes der Anfang seiner Erfüllung sei, wennschon die analoge Behauptung für das subjective Thun undNichtthun seine Nichtigkeit hat. 2) Die Relation des Suchensund Findens ändert sich, je nachdem sich die Relation des Fra-genden und Antwortenden ändert. Ist nämlich der Gefragte übermir, so kann meine Frage nur Bitte (interrogatio) sein, und dieFrage als Suchen und Forschen kann und soll ursprünglich nichtmein Selbstgemachte, meine Erfindung sein, sondern sie müssenmir gegeben (aufgegeben) sein. Ist aber der Gefragte untermir, so ist meine Frage an ihn ein Befehl (necessitatio) in dem-selben Sinne, in welchem der Richter einen Zeugen aufruft, undso wie dieses von Rechtswegen im physicalischen Experimentgeschieht **). 3) Wie der Leib falschsüchtig werden kann und
mit krankhaften Suchten behaftet, so kann auch der Geist alsforschend falschsüchtig werden, und es kann dann nicht von Be-friedigung seiner Suchten und Lüste, sondern nur von seinerBefreiung von ihnen die Rede sein. 4) Endlich geht jede Frage,
*) Göschei bringt zwar zur Erläuterung dieser llegel’schen Behaup-tung das Wachsthum aus dem Samen vor, bemerkt aber nicht, dass ausdem iu’s Vacutim gebrachten oder sich selbst überlassenen Samen Nichtswird. — Vergl. ib. S. 29, 30.
**) Nur in diesem Sinne sagt die Schrift, dass der Mensch Gott nichtversuchen soll, wogegen sie ihm das Gottsuchen (nicht das Gottsein oderGottwerden) zur Pflicht macht. »Wer Gott finden will, sagt Paulus, mussglauben, dass er sei, und dass Er dem Ihn Suchenden ein Belolmor sei.«Das Glauben als Suchen ist nämlich schon ein (aufgegebeues) Thun undWirken, und diese Thätigkeit des Glaubens (der Glaubenskampf) zeigt siehbesonders in seinem Ausharren, falls dem Suchen das Finden (der Lohn)nicht sofort entspricht. Iliemit fällt aber der ganze Streit über Glaubenund Wirken in sein Nichts zurück.