Band 
Zweiter Band.
Seite
XI
JPEG-Download
 

XI

zeitliche Leben in einem innigeren Verbände mit dem zu erzie-lenden ewigen Leben stellt als die Bauhütte mit dem Bau selber.

Sie erlichtet keine Kluft zwischen sich als praktischer Phi-losophie und der theoretischen, sie duldet keine Zusammenhangs-losigkeit zwischen sich und der theoretischen Philosophie, keineGleichgültigkeit gegen die letztere, sondern gründet sich auf diePrincipien der theoretischen Philosophie und geht mit Evidenzaus denselben hervor. Ebenso wenig trennt sie das Recht vonder Moral, so wie beide nicht von der Religion, und Recht, Mo-ral und Religion nicht von der Natur. Eine von Recht, Moralund Religion lossgerissene Politik gilt ihr als heidnisch, atheistischund antitheistiseh. Die ethische und religiöse Bedeutung der Na-tur und ihre allseitige Beziehung auf die höchsten Zwecke allesLebens ist nirgends tiefer und klarer nachgewiesen als in der So-cietätsphilosophie unseres Denkers. Es wird die Zeit kommen,wo man aus dem Quellbrunnen dieser Societätsphilosophie reich-lich schöpfen wird und wo alle Zweige der praktischen Philoso-phie aus ihr sich verjüngen werden.

Die hochmüthig gespreizte Scheue Kants und Herbarts, zurBegründung der praktischen Philosophie auf den Willen Gotteszurückzugehen, konnte einem Denker von der Tiefe und demScharfsinne Baaders nicht imponiren. Er erkannte, dass alle ver-meintlichen Schwierigkeiten solcher Begründung hinwegfallen, so-bald man den richtigen Begriff des Willens Gottes als den desAbsoluten und Heiligen gefasst habe und sobald man es durch-schaut habe, dass die Idee und der Begriff der Heiligkeit dasDasein eines urheiligen Wesens voraussetzt. Die Ethik gründetsich also weder auf eine absfracte Idee oder einen abstractenBegriff, noch auf ein absolut blindwirkendes oder sinnloswillkür-lich wirkendes Wesen, sondern auf das absolut-unendliche Wesen,welches in seiner Heiligkeit wie unendlichen Vernünftigkeit erha-ben ist über allen Zwang wie über alle Willkür und welchesals absolute ethische Macht zugleich alle geistigen und physischenMittel besitzt, um das Gottesreich, das Reich des Guten, un-erschütterlich zu begründen, zu erhalten und zu vollenden. Sotief ist in diesem Systeme der Begriff Gottes gefasst, dass die