xv
Noch in seinen letzten Lebensjahren konnte ihn die Eisen-bahnfrage so lebhaft interessiren, dass er auf Veranlassung .derDurchsicht des wissenschaftlichen Nachlasses seines kurz vorherverstorbenen Bruders, des Oberstbergrathes, Akademikers undProfessors Joseph von Baader, während er in den tiefsten Tiefender Religiousphilosophie forschte, die bekannte kleine Schrift:Ueber die Eisenbahnen, schrieb, welche auch heute noch demManne vom Fache nicht uninteressant sein möchte, und überhauptkeinen Leser ohne Belehrung entlassen wird. Unser Philosoph, demRealen zugewendet wie kein anderer Denker unter denjenigen, diedem Idealen in vollerem Maasse Rechnung trugen, theilte die Ueber-zeugung seines Bruders von der unvergleichlichen Bedeutung und derUnhintertreiblichkeit der Herstellung der Eisenbahnen, welchen derletztere schon seit dem Anfang unseres Jahrhunderts unermüdlich —wiewohl bis dahin vergeblich — das Wort sprach *).
Der Realismus unseres Philosophen, vermöge dessen er auchdie Berechtigung der materiellen Interessen der Zeit anerkannte, istum so achter, je mehr er durch und durch auf dem Hintergründedes Idealen ruht. Diese geniale, kühne und grossartige, nichtäussere Verschmelzung, sondern innere Duchdringung des Idealenund Realen, welche, seit unter dem Monde philosophirt wird,keinem noch so bedeutenden Systeme in gleichem Grade gelungenist, und in welcher ebenso die höchste Besonnenheit mit der höch-sten Begeisterung vereinigt erscheint, charakterisirtdas philosophischeSystem Baader’s, trotz seines Mangels äusserer Systematik, als einein der Geschichte der Philosophie epochemachendeErscheinung. Es war nicht Ruhmredigkeit, sondern der unwill-kürliche Ausdruck eines erlaubten und bei so ausserordentlichenLeistungen gerechtfertigten Selbstgefühls, wenn Baader in seinenletzten Lebensjahren unumwunden äusserte: dass er, obgleich seine
*) J. v. Baader: 1) Ueber die Vortheile einer verbesserten Bauartvon Eisenbahnen und Wagen; 2) Beilage zur A. allg. Zeitung Jalirg. 1827.Nr. 295—97, 333 — 38; 3) Ueber die Vorzüge einer verbesserten Bauart vonEisenbahnen vor den schiffbaren Canälen &c. München, I.entner 1828;4) Huskisson und die Eisenbahnen. München, Frankli, 1836.