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wirken, ihres Organs aber verlustig, als Revenants oder abge-schiedene Krankheitsgeister im Organismus spuken.
Nicht gegen den Royalismus als solchen erklärt sich derAvenir, sondern nur (in Bezug auf Frankreich und den Katholicis-mus) gegen jenen servilen Royalismus, oder gegen jenes gallicanischeGlaubenssymbol, welches den König über Alles stellt, Gott aberund das Vaterland (d. li. die Nation, von welcher doch als demGesammtleib der Regent wie die Regierten nur Glieder sind) umdes Königs willen. Wie darum der Avenir für den Regentendas volle Recht der Sicherheit, Unverletzbarkeit und Freiheit vomVolke verlangt, so verlangt er, dass dasselbe Recht dem Volkvon dem und gegen den Regenten gesichert bleibe, und erbehauptet, dass es eben so wenig angehe, dem Regenten seinRecht unter dem Vorwände der Volksfreiheit schmälern zu wollen,als dem Volke sein Recht unter dem Vorwände der Prärogativeder Krone. Freilich würde aber hiernit (ncmlich mit einer solchenbloss negativen wechselseitigen Asseeuranz- oder Bürgschaftsan-stalt zwischen Regenten und Volk) doch noch kein eigentlicher
positiver und organischer Verband oder Bund zwischen beiden
hergestellt sein, folglich auch keine Liebe und Lust, einanderzu dienen, falls sie einander nicht wechselseitig und, wenn esnöthig würde, selbst mit Aufopferungen behilflich und unent-behrlich wären (necessitate conjuncti, sagt Cicero von Freunden),einander ins volle, freie, gemeinsame, nationale Sein und Lebeneinzuführen, und in demselben zu erhalten und zu schirmen; dennman hat doch nur zu dem Lust, was uns frei sein hilft, undman hasst nur als Last jeden, welcher uns an unserem freienSein hindert. AVas mir Lust sein sollte und würde, wird mir
Last, so wie ich von ihm abfallend mich einer andern Lust hin-
gebe, und dieses meine Freiheit fesselnde Gefühl der Last ist es,was nun erst (nach geschehenem Abfall) den Hass oder meineBosheit gegen das, von dem dieser Druck ausgeht, in mir erregt.So fühlt sich der Sünder unfrei mit Gott, oder wie man sagt, mitGott gespannt, und diese Unfreiheit treibt ihn vorerst zum freilichtantalischen Bestreben, von Gott sich los zu machen, somit aberzur Theophobie und, falls cs möglich wäre, zum Gottesmord.