52
einem Wege suchte, auf welchem das vermittelnde und aus-gleichende Princip oder Agens selber ein stabiles Institut, d. h.selber wieder zu einer Staatsgewalt ward, womit man aber indie Absurdität fiel, neben, gegen oder über den bestehendenGewalten (pouvoirs) als constitutiven Gliedern des Staates nichtnur eine neue, also überflüssige, sondern eben ihrer Stabilitätwegen wieder selber einer Vermittlung oder Controle (und so ininfinitum) bedürftige Gewalt zu schaffen. Was vom Ephoratoder Senat angefangen bis herunter zu den französischen Parla-menten gilt, welche bekanntlich das Recht hatten, den vomKönig und den Ständen gemachten Gesetzen die Einregistrirungzu verweigern, falls sie solche dem constitutiven Gesetze desStaates nicht entsprechend erkannten. Diesem Parlament lagfolglich bereits wenigstens die Idee zum Grunde, dass zwar derKönig und die Stände das eonstitutive Gesetz verletzen können,dass aber dieser Verletzung doch auf andere Weise als durchGewalt, Nothwehr, Aufstand oder Revolution Abhilfe geschafftwerden kann und soll *).
Nachdem man aber nun einmal das religiöse Princip (alsreliirendes und vermittelndes) hier entfernt hat, nachdem manweder der Regierung noch den Ständen, als solchen, die Präro-gative mehr einräumt, für ihr Thun Niemanden als Gott undihrem Gewissen verantwortlich sein zu dürfen, nachdem man
*) Es ist eine schlechte politische Maxime, die Reformirb arkeiteines Staats durch seine Revolutionirbarkeit sicher stellenzu wollen; und wenn man derlei Insurrectionen oder Revolutionen mitder Nothwehr vergleicht, zu welcher bisweilen einzelne Menschen auchmitten in einer durch Gesetze geschirmten Gesellschaft ihre Zuflucht nehmenmüssen, so ist doch dieses Gleichniss keineswegs passend, und das Scandaldes Zerfaliens oder des Kriegszustandes der Staatsgewalten unter sich wirdhiemit keineswegs entschuldigt. Anstatt nun den Eintritt dieses gesetzlosenund anarchischen Zustandes der Gesellschaft möglichst zu erschweren oderunmöglich zu machen, setzt man eben die Befreiung jener in die mög-lichste Erleichterung und Olfenhallung jenes Zustandes. Ja man rätli denbereits Verwundeten an, sich des Zwangs und der Kesseln ihrer Bandagenzu entschlagen.