Band 
Zweiter Band.
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fortgeht, um in diesem sich wirklich zu vollenden, oder dochwenigstens die Vollendtheit (in Folge des unerlässlichen Impera-tivs) anzustreben. Eine Einsicht, welche übrigens bereits Platogehabt haben muss, weil er sagt, dass der Vater nur im Sohnebelohnt oder bestraft, geehrt oder verunehrt, somit nur im Sohnesensibel und verletzbar ist, womit er aber freilich keinen durchFortpflanzung erzeugten Sohn meinte. Ein Lebendiges, das absolutunverletzbar sein soll, muss also die Macht besitzen, diese Sohnes-geburt absolut uuhemmbar in sich zu erhalten, somit allesHemmende oder ihr Widersprechende abzuhalten.

3) Hiemit sind wir aber im Stande, sowohl das Unwesenjedes Revolutionismus in seiner tiefsten Wurzel zu begreifen, alsbesonders auch jene Christophobie, welche man bisher, weil mansie nicht begreifen konnte, der Erfahrung und der heiligen Schriftins Angesicht ableugnete, und welche, wie wir sahen, besondersin der französischen Revolution sich bis zu einer socialen Machtsteigerte, deren Verständniss folglich ohne das Verständniss jenernicht möglich ist. Wenn nemlich, wie gesagt, die freie Creaturin einen der göttlichen Lebensgeburt als der gesetzlichen nichtconformen Lebensgeburtsprocess eingeht, und sich (ihren Willen)nicht nur dem seinen Sohn gebärenden Vaterwillen entzieht, son-dern als für sich Vater sein wollend, rebellirend und revolutionirendmit titanischem Trotze sich ihm gewaltsam in sich widersetzt;so begreift man aus dem Gesagten, dass eine solche Creatur dieZweiheit ihrer Lebensevolutions - Momente gleichfalls in ihrergewaltsamen Entzweiung inne werden, und dass eben ihr Peren-niren oder ihr Nicht-mehr-ablassen-können von ihrer Sünden-und Lügengeburt (denn das Ableugnen ist hier par excellencezugleich ein sich und Andere Anlügen) endlich ihr zur unleid-lichen obschon unvermeidlichen-Qual werden muss. Man begreift,sage ich, dass eine solche Creatur aus der inneren Freiheit indie Unfreiheit, aus der Freude (der positiven Evolution) in dieAngst und in den Schrecken (der negativen Evolution), aus demLicht in die Finsterniss, aus dem sich mittheilenden Reichthumdes Lebens in dessen alles beraubende Noth, d. h. aus Liebeund Sanftmuth in Hass und Zorn, ja in eine Wuth gerathen