216
ist eben dieser durch zu viele einzelne Regierungsstellen genährteeinzelne Geist der Collegial- Aristokratie eines der grössten Hin-dernisse, welche sich dem Ansehen der Wirksamkeit und derWohlfeilheit der Regierungen in mancher deutsche!} Provinz nochentgegensetzen, und man wird bei der nun geschehenen neuenTrennung und Vereinigung derselben vorzüglich auf diesen Gegen-stand seine Aufmerksamkeit zu richten haben. Denn wie kanneine so complicirte, also schwer bewegliche und überall Frictionleidende, wenn nicht vielköpfige, so doch vielfingrige, vom Schrei-ben darum nie ab-, zum Handeln nie hinzubringende Maschine,sicher, schnell und mit dem geringsten Zeit- und Kraftverlust zuwirken, dienen? Wie lässt sich Bildung des Nationalcharaktersund wahre Einigung der Gemüther und der Kräfte eines Staateserwarten, wenn der engherzige und Zwietracht nährende Provin-zengeist noch überdiess durch jenen eignen Gildengeist der vielenisolirten Regierungsstellen und Collegien in diesen Provinzen un-terhalten wird, der zwischen letzteren endlose Fehden und Feder-kriege veranlasst, Kriege, welche oft den ansehnlicheren, stetsden interessanteren Theil ihrer Geschäfte ausmachen, und — zumScandal der Vernunft — selbst von höheren Stellen meist nichtanders betrachtet und behandelt werden als wären es Streitigkei-ten zwischen verschiedenen Ländern! — Natürlich wird hiemitdas höchste oder Gemeininteresse des Landes, die Sache selbst,dem meist lächerlichen Interesse der Collegial - Herrlichkeit, einerelenden nichts bedeutenden Formalität, aufgeopfert, und endlichhäuft sich auf solche Weise das Dienstpersonale und mit ihm dieLast seines Unterhalts stets mehr an, sowie dieser Unterhalt dochauch stets dürftiger wird. Hunger, Brodnoth, Diensthaschereienund Betteleien &c. bemächtigen sich sodann dieser Misere vonsich einander unterbietenden, einander drängenden und um dasbischen Futter heissenden Staatstaglöhnern, und was sich von sol-chen Triebfedern Gutes, Grosses und Gemeinnütziges erwartenlässt, ist leicht abzusehen.