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Die silurische Fauna des Unterharzes nach Herren C. Bischof's Sammlung / bearb. von C. Giebel
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worden und nur der abweichende Standpunkt meiner Untersuehungsmethode kann die er-neute Bearbeitung in der vorliegenden Form rechtfertigen. Wenn icb im Einzelnen sohäufig Gelegenheit nehmen musste Hm. Boemers Deutungen zu widersprechen und zu be-richtigen: so will ich dadurch nicht im Entferntesten die hohen Verdienste herabsetzen,welche sich der unermüdlich eifrige Forscher um die geognostische Kenntniss des Harzeslängst erworben hat. Der Geognost erkennt in den Versteinerungen nur Formen zur Er-mittlung des lelativen Alters ihrer Lagerstätte, der Paläontolog dagegen betrachtet diesel-ben als Zweck der Untersuchung, er stellt durch eingehende Vergleichung der verwandtenFormen ihre Art- und Gattungscharactere fest, um die Entwicklungsgeschichte des pflanz-lichen und thierischen Organismus bis in alle Einzelnheiten zu verfolgen. Auf diesemStaudpuncte gilt die Art durch eine kurze Diagnose und Abbildung noch nicht für sy-stematisch begründet; letztere stellt ja nur das Exemplar dar, mit welchem der Künstlerin nur wenigen Fällen, wenn es unvollständig oder unvollkommen erhalten, niemals denTypus der Art wiedergeben kann, die Diagnose dient, wenn sie wirklich scharf gefasst ist,höchstens zur blossen Unterscheidung der Art, zur Aufsuchung des systematischen Namens,den Begriff der Art giebt sie nimmer. Diesen erhält man erst aus einer erschöpfendenDarstellung und eingehenden Vergleichung des ganzen Formenkreises. Der geognostischeWerth einer Art ist für die systematische Untersuchung zunächst völlig gleichgültig, dadie Art doch nicht für die Gesteinsschicht, sondern früher als diese und als selbständigesund nothwendiges Glied eines organischen Formenkreises geschaffen ist. Selbstverständ-lich werden aber auch die geognostischen Ilesultate, welche aus der Vergleichung gründ-lich und ohne alle Vorurtheile untersuchter Arten gewonnen werden, einen viel hohemGrad der Sicherheit beanspruchen als jene, die unter massgebender Leitung der geogno-stischen Verhältnisse aus einer oberflächlichen, das eigentliche Wesen des Organismus gänz-lich missachtender Vergleichung todter Gesteinsformen gezogen werden.

Dem exclusiven Systematiker wird die vorliegende Arbeit wenig Befriedigung ge-währen, da viele der beschriebenen Arten weil auf unvollständigen Exemplaren beruhendals nicht hinlänglich begründete bezeichnet werden mussten. Allein die Paläontologie kannes den Geognosten nur Dank wissen, dass sie zur Untersuchung auch der ungenügendenExemplare treiben und dadurch zu erneuten vervollständigenden Forschungen fort und fortanregen. Für mich hat die eingehende Untersuchung des gesammten zur Disposition ge-stellten Materials ausser dem geognostischen Interesse, welches die Veranlassung bot, nochden Zweck an diese Darstellung der ältesten Localfauna auf dem Gebiete unseres säch-sisch-thüringischen Vereines die übrigen vergleichend anzureihen, wie sich deren Materialnach und nach herbeischaffen lässt.

Was durch diese Arbeit unsere Kenntniss der geologischen Verhältnisse des Unter-harzes gewinnen wird, dafür gebührt der Dank Herrn Bischof, ohne dessen vom reinstenwissenschaftlichen Interesse geleiteten Eifer sie nicht hätte ins Leben treten können.